Ungeliebtes

Wie oft ist man zutiefst enttäuscht von sich
und weiß mit dieser Einsicht wenig anzufangen.
So hält man solches Sinnen schlicht für ärgerlich
fühlt ausgeliefert sich dem Fragen und dem Bangen.
 

Man kann die Fragen stellen oder nicht
und selbst das Bangen lässt sich ignorieren,
bis eines Tages etwas tief in uns zerbricht
aus Angst, das Unerkannte zu verlieren.
 

Das ungeliebte, mangelhafte Leben,
das tief verborgen harrt in dunklen Räumen,
stirbt unversehens einfach mal soeben,
während wir andre, bessre Leben träumen.
 

So unterschlägt man, dass das Ungeliebte,
das man bereit war einfach aufzugeben,
dereinst den Hochmut und den Stolz besiegte,
um unsre Unbestechlichkeit zu heben.
 

Was sind wir unsrem Wesen nach denn nun?
Sind wir das Glatte, Schöne, Makellose?
Hängt unser Wert tatsächlich ab vom Tun,
von einer äuß‘ren Haltung oder Pose?
 

Getäuschte sind wir und Beraubte,
und doch gewinnen wir uns dabei neu
Beständig spricht zu uns das Totgeglaubte
und trennt in uns die Früchte von der Spreu.

Dresden am 5. Februar 2024

Wenn es spricht

Ich will nicht sprechen, wenn Es spricht.
Wenn Es spricht, dann will ich schweigen.
Da, wo es mir am Wort gebricht,
wird und will sich Gutes zeigen.

Ich will nicht tun noch handeln mehr,
dort wo es handelnd schafft und wirkt.
Was ich zu tun wünsch und begehr
ist das, was diese Welt verbirgt.  

Fern hinter allem Scheine liegt
der Grund der Welt und meines Seins.
In einem Quell der nie versiegt
ertönt dann auch mein Wort als Deins.

Elmar Wieland Vogel 21. Januar 2023

Licht und Schatten

In allem Dunkel liegt ein Sehnen,
darin die Herzen klopfend schlagen.
und Schlag um Schlag ein stilles Nehmen,
und ein Verlangen und ein Fragen:
Wo sind die hohen hellen Stätten,
die uns die Führer einst verhießen,
wo wir die Leiber sicher betten,
wo sie des Nachts die Tore schließen?

Doch fällt ein Schatten all der Lasten,
die an mir haften Nacht für Nacht,
die stumm nach meinem Herzschlag tasten,
und mich berühren zart und sacht,
in jenen Grund, der ohne Gründe,
die Welt aus Dunkelheiten wirkt,
wo jeder Schatten, jede Sünde,
das Licht des Geistes in sich birgt.

In der Geburt der lichten Sphären,
in der Erkenntnis meines Grundes,
dort wird sich Licht von Licht ernähren
wo es berührt vom Saum des Mundes,
dessen, der vollbringt und der vollbracht.
Und Finsternisse werden fallen,
und was gebeugt von dunkler Macht,
wird aufrecht stehn in lichten Hallen.

Dresden 4. 9. 2020