Metaphorik

Wenn ich sterbe, soll mein Sterben dienen,
Nahrung soll es sein zu neuem Leben.
Für das Starke möchte ich mich geben,
das mir im Verborgnen schon erschienen.

Wenn ich falle, soll mein Fall berühren,
einen Grund, der mein Sinken fruchtbar macht,
und Dunkles dort in neuem Licht erwacht,
Wege weisend, die nach oben führen.

Wenn zerteilt ist das Gewand der Erde,
und verkostet jedes Ding des Alten,
soll sich meine Seele umgestalten,
dass das Tiefste mir zum Höchsten werde. 

12. März 2022

Der lebendige Tod

Der Tod verschlingt des Menschen Leben,
und speit es dennoch wieder aus:
Das Schwache sucht er zu beheben,
verschafft dem Geist ein neues Haus.

Der Tod lehrt lassen uns und gehen
was zeitlich und vergänglich ist:
Das Unsichtbare bleibt bestehen,
dem niemand großen Wert beimisst. 

Der Tod zwingt stetig uns zur Suche,
nach Leben, über allem Schein,
das jenseits liegt von Streit und Fluche,
doch hält man dies für allzu klein.

25. Dezember 2021

Absurdum

Leben ist stete Suche nach Leben,
Leben ist Finden in allen Dingen.
In jeder Regung entschlossenes Streben,
ahnendes Wissen zu großem Gelingen.

Am Ende wird das Verworfene dienen,
den Auftakt setzen zu neuem Beginn,
und Tage, die uns als Bürden erschienen;
wir leben sie neu in geläutertem Sinn.

Sterben folgt der Suche nach Tod;
Verlust des Lebens in allen Dingen,
In jeder Regung verzweifelte Not,
die drohende Fessel niederzuringen.

Am Ende wird das Verworfne zertreten,
nicht weil verwerflich, sondern weil verhasst.
Wir werden empfangen, was wir erbeten:
Erleuchtetes Dunkel - Bürde und Last.


Elmar Vogel  13. April 2020

Gaukelei

Der Blick bleibt an der Oberfläche;
es reflektiert die Form das Licht.
Wohl liegt es an des Auges Schwäche;
das Wesentliche sieht man nicht.

Gestalt wird nur die Form erkennen,
sie fällt ihr Urteil nach dem Schein,
doch soll sie den Gestalter nennen,
wird ihre Sicht ein Trugbild sein.

Das Wesen liegt indes verborgen,
entzieht sich äußerer Natur,
ist stets dasselbe heut und morgen,
allgültig, zeitlos seine Spur.

Doch diese Spur gilt es zu finden,
das Auge ist hier einerlei,
denn nur Erkenntnis kann ergründen,
was wahr ist und was Gaukelei.

Erkenntnis ist das dritte Auge,
es reicht bis an der Dinge Grund,
dass es ergründe was da tauge -
Wo Geist, wo Sinn wohnt macht es kund.

Juni 2020 (Wettbewerb im Forum: www.poeten.de)

Der Baugrund

Alles Sterben fällt nach unten,
doch das Leben strebt hinan.
In der Tiefe liegt gebunden;
Schweres, Dunkles – zieht mich an.

Doch wie mag ich Höhe finden,
ohne Tiefen je gespürt?
Muss ich doch am Licht erblinden,
wo das Dunkle mich nicht rührt.

Auf der Teufe wohl gegründet,
in der Erde dunklem Schoß,
wo hinab kein Lichtstrahl findet,
ruht das Bauwerk licht und groß.

So weist alles Hohe, Helle,
jeder Sinn der hier obsiegt,
stets hinab zu jener Stelle,
wo der Grund im Dunkel liegt.


Elmar Vogel 18. April 2019