Impulse

Gnade und Gnadenlosigkeit

Unsere Existenz ist Gnade – alles menschliche Leben ist Gnade – unverdiente Gnade! Der Glaube, sich das Leben durch einen Deal oder Handel erst verDIENEN zu können oder zu müssen, ist gottlos, perfide und teuflisch. Gnadenlosigkeit und Unmenschlichkeit sind die Folgen dieses Irrglaubens.

Liebe und Hass

Liebe gewinnen wir aus der Gewissheit, dass in allen Geschehnissen, insbesondere in den beschwerlichen und leidvollen, ein verborgener Sinn liegt, der von uns gesucht und gefunden werden will – dieser Sinn ist Gott selbst.: „Suchet so werdet ihr finden, …denn wer da sucht, findet.“ Lukas 11, 9-10

Hass entspringt dem menschlichen Irrtum, dass die Welt gegen den Willen unseres Mitmenschen verbessert werden könnte. Christus ist gekommen, diesen Irrtum aufzudecken. Dafür war er bereit, selbst zum Objekt des Hasses zu werden. Hass existiert, um als Irrtum erkannt zu werden, wodurch allein er überwunden wird.

Gut und Böse

„Das Gute ist seinem Wesen nach anders als das Böse.
Das Böse ist vielfältig und fragmentarisch, das Gute ist eines.“

Simone Weil

Das Böse befiehlt den Vollzug der äußeren Handlung es besitzt weder Tiefe noch Transzendenz. Das Gute handelt aus innerer Notwendigkeit ohne fremde Anordnung von außen.

Das Gute ist authentisch, folgerichtig und selbstverständlich und kann daher nicht verneint werden. Das Böse ist beliebig, mutwillig und konstruiert. Eben weil es verneint werden kann muss es mit Gewalt durchgesetzt werden.

Das Gute bedingt aller Erscheinungen auch der des Bösen, um sie zu transzendieren. Das Gute schließt das Böse ein. Das Böse hingegen bedingt des Guten nicht, sondern verfolgt und hasst es – versucht es auszuschließen: Grund und Ursache aller Lüge

Ein Kind werden

Würden wir uns als Kinder erkennen, so wären wir frei von Schuld, denn Kinder sind nicht strafmündig. In unserer menschlichen Überheblichkeit frei, mündig und verantwortlich zu handeln, werden wir verantwortlich und schuldig: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…“ Matthäus 18, 3

Wirt als ein kint
wirt toup, wirt blint!
dîn selbes icht
mûz werden nicht,
al icht, al nicht trîb uber hôr!
lâ stat, lâ zît,
ouch bilde mît!
genk âne wek
den smalen stek,
sô kums du an der wûste spôr.

Das Gedicht wird Meister Eckhart zugeschrieben

Übersetzung:

Werd‘ wie ein Kind,
werd‘ taub, werd‘ blind!
Dein eigenes Ich
werde zunicht,
all‘ Ich, all‘ Nicht, treib weg es nur!
Laß Ort, laß Zeit,
auch Bilder meid‘
Geh ohne Weg
den schmalen Steg,
so findest du der Wüste Spur.

Das Senfkorn