Impulse

Äußere und innere Wahrheit

Mathematik und Naturwissenschaft sind nur Sinnbilder der Wahrheit – sie sind es hinsichtlicht der Unumstößlichkeit ihrer Logik und ihrer Erkenntnisse. Doch Begriffe wie Gnade, Liebe, und Barmherzigkeit sind ihnen fremd. Dabei sind das jene Größen die unserer menschliche Existenz viel grundlegender ausmachen, da sie unser ideelles Menschsein betreffen und uns durch Christus im Innersten berühren wollen.


Wesen des Abendmahls

Das Brot nehmen und essen ist Wertschätzung und Andenken – ist das Wissen um die Notwendigkeit der Hingabe des Äußeren für das Innere. Den Leib essen ist äußeres Teilhabenwollen und ist Einwilligung in den Tod Jesu. Das Brot essen ist auch ein Sinnbild für das Annehmen der „Gestalt“ Jesu und seiner Geisteshaltung, es ist insofern Ausdruck der eigenen Hingabebereitschaft für die Sache Jesu.

Den Kelch nehmen und trinken ist Andenken und ist Einwilligung und Teilhabe am Leiden Jesu, und seiner Hingabebereitschaft, in der auch alles eigene Leiden verstanden sein soll. Der Inhalt (Wein bzw. Geist ) des Leides (Kelch) ist Wandlung des Leidvollen durch den Geist (Blut) dessen, der von königlich-himmlischem Geblüt. Wein ist ein Sinnbild geistiger Nahrung, die uns selbst und unsere Wahrnehmung verändert. Denn so wie der Wein ein Getränk ist, das eine Wandlung erfahren hat, wir auch der in seiner Wahrnehmung verwandelt, der ihn trinkt.


Überwindung des Bösen durch das Gute

Das Böse an sich existiert in Christus nicht mehr, da es in seinem Geist überwunden wurde. Was wir sehen sind zwei Formen dessen, was wir als das Böse wahrnehmen, nämlich Erkanntes (Benanntes) und Unerkanntes (Namenloses). Was uns als Widerpart des Guten erscheint, ist in Wahrheit (nur) das noch unerkannte und das noch namenlose Gute. Alles Böse, das wir im Geist Jesu betrachten, muss erkannt werden.
Indem es erkannt ist verliert es seine Namenlosigkeit, und eben darin ist es überwunden.


Jüngstes Gericht

Die Welt ist im Geist Jesu überwunden, der Dunkles erhellt und Böses gewandelt hat. Ohne Geist muss alles sinnlos bleiben, denn Sinnlosigkeit ist Geistlosigkeit. Gericht ist die Verkennung Gottes, der Sinnloses geschehen lässt um es zu überwinden, wodurch neuer, größerer Sinn geboren wird.


Schuld und Sühne

Zwei universelle Wege zur Überwindung von Unrecht, ohne Vergeltung zu üben: Vergebung zu üben, und Einsicht in die Notwendigkeit aller Erscheinungen. Christus hat beide Wege vereint.


Feindesliebe

„Liebet eure Feinde!“ Gott als Ursache aller Dinge erkennen. Das Leben als ungeteiltes Ganzes verstehen u. annehmen: Nichts ausklammern, nichts verwerfen, alles bedingungslos aus der Hand Gottes entgegennehmen, wodurch alle Dinge gewandelt werden u. dienen können – ja, dienen müssen.


Heilung

Christus konnte die Menschen nur heilen, weil er das Heil selbst war. Um uns vor der Ursache aller Krankheit zu heilen, musste er sich mit uns gleichsetzen – musste selbst Krankheit tragen. Darum setzte er sich selbst Hass, Erniedrigung, Leid und Tod aus. Er, der es vermochte alle Krankheit zu heilen, hat durch seine Passion aufgezeigt, dass er vollkommen heil war. Nur der vollkommen Heile, der Heiland konnte einen Sinn finden in Leid und Tod und dieser Sinn war für ihn unsere Heilung.


Unentschuldbares

Das eigentliche Vergehen des Judas bestand nicht darin, dass er seinen Meister verriet (auch Petrus verleugnete Jesus). Sein wahres Vergehen bestand darin, dass er seine Tat für unentschuldbar hielt und sich deshalb das Leben nahm. Nicht der Fehltritt an sich, sondern die eigene Hoffnungslosigkeit ist es, durch die wir Handlungen vor uns selbst unentschuldbar machen.


„Alles, was die Zeit bedroht, sondert Lüge ab, um nicht zu sterben, und zwar je mehr, je größer die Todesgefahr ist. Deshalb gibt es keine Liebe zur Wahrheit ohne vorbehaltlose Bereitschaft zum Tode. Das Kreuz Christi ist die einzige Pforte zur Erkenntnis.“

Simone Weil

Der Fall in die Bedeutungslosigkeit

Das Gute sucht nach der Bedeutung des Bösen – transzendiert es durch Geist und Sinn. Das Böse hingegen sucht das Gute bedeutungslos zu machen. Weder kennt es seine eigene wirkliche Bedeutung noch will es die Bedeutung des Guten wahrhaben.


Vergebung

Erst dort, wo wir (wie Jesus Christus) erkennen, dass uns nichts widerfährt, was nicht in Gott beschlossen ist, werden wir bedingungslos vergeben können.


Universeller Anspruch

Der universelle Anspruch der Botschaft Jesu ist ein individueller, denn er beruht auf der subjektiven Annahme jeder Erscheinung meines Daseins als Notwendigkeit. Nicht durch Widerstand oder Gewalt, sondern im vertrauensvollen Annehmen erfahren die Dinge grundlegende Wandlung.


Göttliche Gnade vs. weltliche Gnadenlosigkeit

Unsere Existenz ist Gnade – alles menschliche Leben ist Gnade – unverdiente Gnade! Der Glaube, sich das Leben durch Erfüllung einer Bedingung oder durch einen Handel erst verdienen zu können oder zu müssen, ist gottlos, perfide und teuflisch. Gnadenlosigkeit und Unmenschlichkeit sind die Folgen dieses Irrglaubens.


Liebe und Hass

Liebe gewinnen wir aus der Gewissheit, dass in allen Geschehnissen, insbesondere in den beschwerlichen und leidvollen, ein verborgener Sinn liegt, der von uns gesucht und gefunden werden will – dieser Sinn ist Gott selbst.: „Suchet so werdet ihr finden, …denn wer da sucht, findet.“ Lukas 11, 9-10

Hass entspringt dem menschlichen Irrtum, dass die Welt gegen den Willen unseres Mitmenschen verbessert werden könnte. Christus ist gekommen, diesen Irrtum aufzudecken. Dafür war er bereit, selbst zum Objekt des Hasses zu werden. Hass existiert, um als Irrtum erkannt zu werden, wodurch allein er überwunden wird.


Gut und Böse

„Das Gute ist seinem Wesen nach anders als das Böse.
Das Böse ist vielfältig und fragmentarisch, das Gute ist eines.“

Simone Weil

Das Böse befiehlt den Vollzug der äußeren Handlung es besitzt weder Tiefe noch Transzendenz. Das Gute handelt aus innerer Notwendigkeit ohne fremde Anordnung von außen.

Das Gute ist authentisch, folgerichtig und selbstverständlich und kann daher nicht verneint werden. Das Böse ist beliebig, mutwillig und konstruiert. Eben weil es verneint werden kann muss es mit Gewalt durchgesetzt werden.

Das Gute bedingt aller Erscheinungen auch der des Bösen, um sie zu transzendieren. Das Gute schließt das Böse ein. Das Böse hingegen bedingt des Guten nicht, sondern verfolgt und hasst es – versucht es auszuschließen: Grund und Ursache aller Lüge


Gotteskindschaft

Würden wir uns als Kinder erkennen, so wären wir frei von Schuld, denn Kinder sind nicht strafmündig. In unserer menschlichen Überheblichkeit frei, mündig und verantwortlich zu handeln, werden wir verantwortlich und schuldig: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…“ Matthäus 18, 3

Wirt als ein kint
wirt toup, wirt blint!
dîn selbes icht
mûz werden nicht,
al icht, al nicht trîb uber hôr!
lâ stat, lâ zît,
ouch bilde mît!
genk âne wek
den smalen stek,
sô kums du an der wûste spôr.

Das Gedicht wird Meister Eckhart zugeschrieben

Übersetzung:

Werd‘ wie ein Kind,
werd‘ taub, werd‘ blind!
Dein eigenes Ich
werde zunicht,
all‘ Ich, all‘ Nicht, treib weg es nur!
Laß Ort, laß Zeit,
auch Bilder meid‘
Geh ohne Weg
den schmalen Steg,
so findest du der Wüste Spur.

Das Senfkorn

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