Freiheit

Freiheit, die du meine bange Seele rührst ,
wüsst ich, dass du meines Herzens Schläge spürst,
so könnte ich dich ganz und gar entbehren.
Ja, hätt ich alle Freiheit dann verloren,
und wär in tiefster Sklaverei geboren,
du würdest als dein Kind mich doch ernähren.

Und alle die von dir gegessen, machst du reich
machst ebenbürtig deine Kinder dir und gleich
und gibst dich selber hin und ungeteilt.
Und wer dich unumschränkt genießt,
wer duldet, dass du dich in ihn ergießt,
der wird durch dich geadelt und geheilt.

Nur du vermagst dich ohne Reue aufzugeben
Und wäre ich vereint mit dir in solchem Streben,
so wär ich ganz – und wär ein Teil von dir.
Dann kann mir niemand nehmen was ich bin,
nur was ich nicht bin, das geht wohl dahin
Und bliebe es, wärs doch kein Teil von mir.


Elmar Vogel – Oktober 2019


Die innere Schau

Manchmal entdecke ich in dunklen Stunden,
da ich mir selber fremd und feind,
dass das, was ich für bös und schicksalhaft befunden,
was grob und ungebührlich mir erscheint,
der Seele helfen könnte zu gesunden,
obgleich es der Verstand verneint.

Die eigne Unzulänglichkeit genau betrachten,
den Blick auf Lüge und auf Heuchelei
zu richten, indes dann dennoch zu beachten,
dass niemand sagen kann, er sei von Schwäche und von Irrtum frei
wäre ein Weg, Tyrannen zu entmachten
und auch ein Ausweg aus der eignen Tyrannei.

Die innre Schau in meinen tiefsten Herzensgrund,
macht mir das eigene unverfälschte Antlitz offenbar,
und was ich dort erblicke tut mir gleichwohl kund,
dass Gott und Wahrheit und ich selbst von jeher eines war.
Betracht ich mich auf jene Weise, dann schau ich Gottes Antlitz und
erkenn mich selbst im Spiegel meines Herzens wie Kristall so klar.

In dieser Einsicht kann ich die Gestalt annehmen,
in welcher Mensch dem Menschen würdig sich erweist
da überwunden und vergessen aller Tadel, alles Schämen
und abgelegt das alte Sinnen, das immerfort um Schuld und um Vergeltung kreist
So läge jener Ort, an dem das Paradies wir wähnen
dort wo den Sinn des Mangels und des Ungenügens man begreift.

Elmar Vogel am 10. Mai 2019

Selbsterkenntnis

Was  ich bin und was ich werde
liegt vor allem Anbeginn
aller Anfang wirkt  aus Erde
wirkt  aus Wasser, Geist  und Sinn.

Untergang ist uns befohlen
sterblich ist des Lebens Kleid
Todesangst und Atem holen,
sind Stumpfsinn und Glückseligkeit.

Jede Enge, jede Bürde
Niederlage, Todesgrimm
weist hinauf zu höchster Würde
ruft nach Luft nach Geist und Sinn.

Wissen um die eigne Sendung
nehmen was uns zugedacht
daran liegt des Schicksals Wendung
hierin liegt die höchste Macht.

Elmar Vogel / September 2018

Unzeit – Unort

Unstet zieht uns falsche Zeit an falsche Orte 
darum ist unser Tun und Lassen falsch. 
Falsch ist, was zur falschen Zeit am falschen Ort . 
Die Erkenntnis Jesu schafft rechte Zeiten und rechte Orte. 
Rechte Zeit - Ewigkeit 
Wahrer Raum - Unendlichkeit. 

Elmar Vogel Oktober 1993

Das Unwägbare

Ich geh den Weg des Menschensohnes, der beständig an das Unwägbare denkt, um Beständigkeit den Dingen zu verleihen, die von Kindheit an ich liebgewonnen habe und die ich heut schon anerkenne als den hehrsten Teil der Gabe und des Lohnes – für diesen Lohn will ich mich gern kasteien.
Tod, Versagen, Niedergang und alles Schmachten – jede bittre Lage, die das Menschenherze so sehr kränkt, ich will sie ansehn und betrachten – will sie auf mich nehmen – so,  als hätten ich den Sinn, den alle Bitternisse in sich tragen, bereits verstanden und schon ausgefüllt. Ich will im tiefsten Herzensgrund sprechen können, dass, wenn auch in augenblicklich noch verborgner Weise, doch jede Regung dieses Daseins mich beschenkt.

Elmar Vogel / April 2019