Vortrag des Großmeisters der Alten, freien und angenommenen Maurer von Deutschland Jens Oberheide 2008
Was ist Freimaurerei?
Eine Frage vorweg. Was ist Freimaurerei? Aus der symbolträchtigen Welt der mittelalterlichen Dombauhütten entstand Freimaurerei als Idee des sinnvollen Bauens und Gestaltens von Zeit und Raum.
Der freimaurerische Lebensstil
Das umschreibt seit der ersten Großlogengründung 1717 den Lebensstil von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung, Weltanschauung, Nation oder Hautfarbe, die sich auf der Waage, dem Symbol für die gleiche Ebene aller, brüderlich begegnen.
Dieses Wesensmerkmal der Freimaurerei kennzeichnet gleichzeitig die Toleranz des Andersseins im Denken, Handeln und Glauben. Idealisiert hat Schiller diesen Grundgedanken in seiner „Ode an die Freude“ für die Loge in Dresden ausgedrückt und Beethoven hat ihn dann in seiner 9. Sinfonie vertont. „Alle Menschen werden Brüder.“ Aus der praktischen Baukunst in den Bauhütten von einst ist heute eine Lebenskunst geworden. An die Dome und Kathedralen der Bauhüttenvergangenheit erinnert heute der symbolische und idealistische Tempelbau der Humanität.
Das Wirken in der Loge und nach außen
Im diskreten Engbund der symbolischen Bauhütte der Loge treffen sich die Freimaurer nach althergebrachten Ritualen zur Brauchtumspflege und Kult. Sie bemühen sich um verständnisvolles Miteinander, praktizieren Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit und finden Lebensqualität und Sinn. Nicht als Gruppe, wohl aber über die Persönlichkeit des Einzelnen wirkt Freimaurerei auch nach außen, wenn es gilt Trennendes zu überwinden, Verständigung zu suchen, Mitverantwortung zu übernehmen, Zivilcourage zu zeigen und immer wieder Brücken zu bauen.
Freimaurerische Ideale für die Welt
Freimaurer arbeiten daran. Im globalen Zusammenhang steht freimaurerische Geisteshaltung für Menschenwürde, Freiheit, Toleranz, Brüderlichkeit, soziale Gerechtigkeit und Verständigung über alle Grenzen hinweg. Weltweit betrachten die Freimaurer diese Ideale als zeitlosen Ausdruck eines besseren Miteinanders für eine bessere Welt.
Das gilt besonders auch für die unruhige Welt von heute, wo alle Konflikte darauf zurückzuführen sind, dass das menschliche Miteinander nicht funktioniert, wo intolerantes Verhalten, dogmatische Zwänge, religiöse und staatliche Bevormundung das verhindern, was Freimaurer als fiktive Weltbruderkette bezeichnen. Eine Kette der Hände, die eine Kette der Herzen sein soll, die alle Menschen guten Willens mit einschließt. Der hier vorliegende Sonderdruck der Großloge der alten, freien und angenommenen Maurer von Deutschland will freimaurerische Aspekte der Zauberflöte näher untersuchen und dem Leser verständlich machen.
Mozart und Schikaneder – Ein freimaurerisches Vermächtnis
Denn die zwei Freimaurer-Brüder Mozart und Schikaneder haben musikalisch ihren Weg der Hoffnung aus dem Dunkel hin zum Licht vor mehr als 200 Jahren mit ihrem einzigen gemeinsamen Bühnenwerk als geniales Vermächtnis in die Welt hinausgetragen. Möge diese Schrift dazu beitragen, das Verständnis für den idealistischen Hintergrund dieser meistgespielten Oper und ihre Inspiration aus der Freimaurerei zu vertiefen.
Literarische Vorläufer: Der Roman „Sethos“
Fast 60 Jahre vor der Zauberflöte ist in Paris 1732 ein Roman von Jean Terrasson erschienen, der später von dem Freimaurer Matthias Claudius ins Deutsche übersetzt worden ist.
Darin kann man lesen, wie der ägyptische Königssohn Sethos sein Land vor einer riesigen Schlange befreit. Daraufhin hält man ihn für würdig, in die Mysterien der Cheops-Pyramide eingeweiht zu werden. Er betritt den dunklen Gang und liest folgendes.
„Wer diesen Weg allein geht, der wird gereinigt werden durch das Feuer, durch das Wasser und durch die Luft. Und wenn er die Schrecken des Todes überwinden kann, wird er aus dem Schoß der Erde herausgehen und das Licht wieder sehen.“ Der Prinz und die Schlange und die Prüfungen durch Erde, Feuer, Wasser und Luft.
Zum guten Schluss siegt die symbolische Idee des Lichts über die Allegorie der Dunkelheit. Das kommt uns bekannt vor.
Weitere Märchenquellen
Es gibt noch andere thematische Vorläufer. Beispiel „Lulu und die Zauberflöte“ von August Jakob Liebeskind. In diesem Märchen hat ein böser Zauberer der strahlenden Fee den Feuerstrahl geraubt und ist damit zum Herrscher über das Geisterreich geworden. Prinz Lulu soll nun den Feuerstrahl zurückbringen und als Lohn die ebenfalls geraubte Tochter bekommen. Als Schutzschild erhält er eine Flöte, deren Klang die Herzen verzaubert. Die Zauberflöte als Symbol für die Macht der Liebe.
Aus dem Märchen„Adis und Dahi“ stammen die Figuren des Monostatos. Der Name heißt aus dem Griechischen so viel wie der Alleinstehende. Er hat zu tun mit Einsamkeit, aber auch mit Egoismus. Aus dem Märchen „Die klugen Knaben“ entlehnt die Oper jene drei Knaben, die nach vielfältigen Irrungen und Wirrungen für ein Happy End sorgen.
Und aus diesen und weiteren literarischen und theatralischen Zusammenhängen ergibt sich ein Bühnenstoff, in dem das Gute über das Böse siegt. Und in dem die Liebe stärker ist als der Hass: „Die Zauberflöte.“
Märchenhafte Oper oder Mysterienspiel?
Jetzt braucht man eigentlich nur noch Fantasie, Symbolverständnis und einen fröhlichen Sinn für solche Märchen. Vielleicht auch ein großes Herz für kleine Possenspiele. Möglicherweise auch einen Spagat zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen, zwischen göttlicher Musik und vermeintlich trivialem Textgeplänkel.
Jeder lässt sich durch Mozarts Musik verzaubern, aber manch einer möchte am liebsten die Augen schließen, weil sich ihm die Handlung aus abgekupferten und blumig ausgemalten Geschichten nicht erschließt. Märchenhafte Opernwelt oder geheimnisvolles Mysterienspiel? Sicherlich beides und noch ein wenig mehr.
Der rote Faden: Symbolik und Allegorie
Gibt es einen roten Faden durch das verwirrende Handlungsgestrüpp der Oper? Ja, Symbolik und Allegorie, die hintergründiger angelegt sind als die vordergründige Dramaturgie. Damals, als die Zauberflöte entstand, konnte das niemand so gut miteinander verpuzzeln wie die Freimaurer.
Die Verbindung der Autoren zu den Wiener Logen
Der rote Faden begründet sich zunächst dadurch, dass sowohl Mozart als auch Schikaneder Freimaurer waren.
Sie kannten sich so, wie man sich unter „Brüdern“ kennt, wie Freimaurer ihr intimes Verwandtschaftsverhältnis nennen und verstehen. Das sollte nämlich stärker sein als alle profanen Freundschaften und Bekanntschaften. Das heißt, man ist sich auch heute noch überaus eng vertraut, hängt den gleichen Idealen nach und der verbindende Lebensstil heißt eben Freimaurerei.
Mozart, Schikaneder und der möglicherweise ebenfalls an der Zauberflöte beteiligte Giesecke kannten sich aus den Wiener Logen und alle drei kannten und verehrten den Meister vom Stuhl der „Loge zur wahren Eintracht“,
Ignaz Freiherr von Born, der einmal in einem Vortrag über Freimaurerei gesagt hatte: „Ist Wahrheit und Weisheit und Beförderung der Glückseligkeit des ganzen Menschengeschlechts nicht der Endzweck unserer Verbindung?“ Wahrheit, Weisheit und Glückseligkeit, so hehr, so ideal, ist auch der Endzweck des Opernstoffs.
Die zentrale Rolle der Zahl Drei
Als Freimaurer haben die Autoren Mozart und Schikaneder solche Ideale in Symbolik, Allegorie und Metapher in einer thematischen Leitlinie verschlüsselt und eine märchenhafte Story nach einigen Textvorlagen drumherum geschrieben.
Der Freimaurerbruder Ignaz von Born hatte sich auch forschend und publizierend mit den ägyptischen Mysterien auseinandergesetzt. Er ist der Verfasser von gelehrten Studien über mögliche Verwandtschaften zwischen ägyptischen und freimaurerischen Riten und Symbolen. Und er hatte darüber einen Vortrag in der Loge gehalten. Mozart und Schikaneder waren fasziniert von dieser Welt, die sich da auftat.
Alles, was in den Mysterien der Ägypter vorging, sagte er in seinem Vortrag, hatte einen dreifachen Sinn, einen moralischen, einen historischen und einen mystischen. Diesen dreifachen Sinn haben Mozart und Schikaneder auch der Zauberflöte unterlegt. Nun spielt die Zahl 3 in der Freimaurerei eine ganz besondere Rolle.
„Omne trium perfectum.“ Sprichwörtlich: Alle guten Dinge sind drei. Mit dem prominenten sogenannten Freimaurer-Akkord der Zauberflöten-Overtüre, setzt Mozart diese Zahlensymbolik auf 3 mal 3 um:
Die drei Säulen der Freimaurerei
Und jeder Freimaurer in der Welt erkennt sein vertrautes Ritual. Jeder Freimaurer in der Welt erkennt auch die Dreiheit der freimaurerischen Säulenkonstruktionen, wie sie in der Zauberflöte angesprochen wird. In jedem Freimaurer-Tempel in der Welt stehen die Säulen der Weisheit, der Stärke und der Schönheit.
Wisdom, Strength, Beauty.
Sagesse, Force, Beauté.
Weisheit, die den Bau plant. Stärke , die ihn ausführt. Und Schönheit, die ihn vollendet und ziert. Damit ist natürlich nicht nur der äußere Bau gemeint, sondern der sogenannte Tempelbau der Humanität.
Ein imaginärer, ein ideeller Tempel, der nie fertig wird. Tamino nähert sich ihm in der Oper und als er die drei freimaurerischen Säulen sieht, deutet er sie zunächst so. „Es zeigen die Säulen, dass Klugheit und Arbeit und Künste hier weilen.“
Nie zuvor ist in der gesamten Operngeschichte der Begriff Arbeit aufgetaucht. In der Zauberflöte wird er gar im Zusammenhang mit so hehren Begriffen wie Klugheit und Künste benutzt. Wie geht das zusammen? Dadurch, dass die Freimaurer diesen Begriff gleichsam geadelt hatten: Im Sinne ihrer Brauchtumspflege aus den Steinmetzbruderschaften, nennen Freimaurer die rituelle Zusammenkunft im Tempel Arbeit.
Sie meinen damit die Arbeit an sich selbst und am imaginären Bau. Mit dieser Symbolik übersetzten sie die Baukunst in eine Lebenskunst. Die wahre Benennung der Säulen konnte der suchende Tamino freilich noch nicht kennen.
Im Schlusschor der Zauberflöte wird dann die freimaurerische Säulentrias ganz unverschlüsselt auch direkt besungen: „Es siegte die Stärke und krönet zum Lohn die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron.“ Hier ist der imaginäre Tempelbau vermeintlich fertig.
In jeder Logenarbeit stehen weltweit noch heute die drei Säulen, auf denen sich der ideelle Tempel gründet. Weisheit, Stärke und Schönheit. Die Anordnung und Anspielung auf drei oder dreimal drei durchzieht die gesamte Zauberflöte.
Es gibt drei Tempel und drei Prüfungen. Drei Damen und drei Knaben tauchen jeweils dreimal auf. Die Königin der Nacht wird dreimal angekündigt und erscheint dreimal. Es ertönt dreimal Donner und dreimaliges Rufen als Ankündigung. Tamino klopft dreimal an die Tempelpforte und erhält erst nach dem dritten Klopfen Antwort, was übrigens ein immer noch gebräuchliches Ritualelement der Freimaurer ist. Vor den Prüfungen gibt es drei Posaunenstöße und das rituelle Klopfen wird musikalisch mehrfach im Dreierrhythmus umgesetzt.
Die Dreieranordnung findet sich auch in zahlreichen Textpassagen der Zauberflöte. Hier sind einige Beispiele: „Sei standhaft, duldsam und verschwiegen.“„Du bist unschuldig, weise, fromm.“ „Die Absicht ist edel, lauter und rein.“
Der Tempel der Vernunft steht zur Rechten des Suchenden Tamino. Der Tempel der Natur zur Linken und der Tempel in der Mitte, das ist der Tempel der Weisheit. Idealerweise stehen die im rechtwinkligen Dreieck zueinander. Der Prinz entscheidet sich für den Tempel der Weisheit.
Und wie kommt er hinein? „Sobald dich führt der Freundschaft Hand ins Heiligtum zum ewigen Band.“ Sarastro singt in der Hallenarie: „Dann wandelt er an Freundes Hand …“ An Freundes Hand führt auch heute noch der Aufnahmeweg ins selbe Ritual mit denselben Texten und Symbolen, wie es Mozart, Schikaneder, Goethe, Lessing, Haydn und die vielen anderen erlebt haben.
Das ewige Band verstehen wir auch heute noch als Freundschaftsbund auf Lebenszeit. Dreiergruppen und symbolische Additionen wie 3 + 4 = 7, gleich: Geist plus Materie gleich Schöpfung, haben natürlich schon die alten Ägypter, Chinesen und andere Kulturvölker gedeutet. Manches davon ist ins Brauchtum der Freimaurer gelangt.
Weitere Zahlensymbolik: Sieben und Achtzehn
Der in der Oper angesprochene „Siebenfache Sonnenkreis“ kennzeichnet unser Sonnensystem, so wie es Kopernikus aus altem Wissen wiederentdeckt hat. Um die Sonne bewegen sich Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn. Den „Siebenfachen Sonnenkreis“ trägt Sarastro auf der Brust, als Symbol für das Universum.
In diesem hatten die Mächte der Finsternis nur so lange geherrscht, bis die Kräfte des Lichts stärker geworden waren. Die Symboldeutung erschließt sich: Nach dem Sieg über Dunkelheit, Aberglaube und Unterdrückung wird Weisheit und Menschenliebe in der Welt sein. Altes Freimaurerideal. Es lässt sich freilich nicht erkämpfen. Man kann nur, wie Sarastro in der Oper, immer wieder geduldig zum Guten überreden.
Als Sonnenzahl gilt die 18. Die Zahl ergibt sich aus dem Saros-Zyklus nach welchem alle 180 Tage eine Sonnenwende stattfindet und alle 18 Jahre Finsternisse wiederkehren. Sarastro (der Sonnenpriester) leitet seinen Namen symbolisch auch davon ab. Im 18. Auftritt des ersten Aktes erscheint Sarastro. Der Name Sarastro wird 18 mal im Libretto gesprochen. Er wird 18 mal gesungen. Der Chor der Priester in Sarastros Tempel zählt 6 mal 3, gleich 18 Mitglieder.
Der Flammende Stern und weitere Symbole

Wenn Papageno in der Oper gegenüber Tamino von der „Sternflammenden Königin“ spricht, dann steckt dahinter das Symbol des sogenannten „Flammenden Sterns“. Ein Pentagramm. Im freimaurerischen Brauchtum steht inmitten des Flammenden Sterns ein großes G, was gern übersetzt wird als Gott bzw. als „Großer Baumeister aller Welten“, aber auch als Geist oder Gnosis, das heißt Erkenntnis. Mancheiner übersetzt für G, auch Geometrie, und meint damit die „ewigen Gesetzmäßigkeiten“, weil das Prinzip von Tag und Nacht ebenfalls zu den Gesetzmäßigkeiten gehört, wird auch die Königin der Nacht in diesem Zusammenhang genannt.
Übrigens ist das G im Flammenden Stern schon auf dem Titelblatt der Wiener Uraufführung der Zauberflöte von 1791 zu sehen. In den beiden Logen, denen Mozart in Wien angehörte, war der Flammende Stern grafisches Element des Logensiegels.
Das Symbolspielerische der Freimaurerei kennzeichnet eine ungewöhnliche Kombination von Geist und Gemüt. Die Freimaurerei hatte sich ja mit klarer aufklärerischer Ausrichtung entwickelt, durchaus lebensfroh und diesseits orientiert übrigens, woraus eine Balance von Geist und Gemüt entstand, eine Mischung von Ideal und Alltag.
So kommt es, dass die Freimaurerei immer noch ein Symbolbund ist, so wie sie es schon zu Mozarts Zeiten war. Es gilt, das Ideale zu denken, aber immer auch das Machbare zu tun.
Im Zeichen totaler Kommunikation haben die Menschen von heute meist verlernt, aus abstrakt verschlüsselten Botschaften zu lesen. Früher war das geübte Praxis. Ägyptische Mythologie lebt von solchen Verschlüsselungen. Natürlich hat der Königssohn Sethos aus dem eingangs erwähnten Roman nicht gegen eine wirkliche Schlange gekämpft.
Die Schlange steht hier symbolisch für die feindliche Bedrohung, für Bosheit, Hinterlist und Verführung. Man denke an die Schlange aus dem Paradies und ja, auch an die Schlange aus dem 1. Akt der „Zauberflöte“. Man muss also weg vom konkreten Verständnis einer tatsächlichen Schlange. Und wenn man schon so weit ist, dann darf man in der märchenhaften Handlung von weiteren Verschlüsselungen suchen. Und so muss man weg vom Märchen und hin zur Deutung, die hinter den vielfältig ausgelegten Symbolen steckt. Die ist keineswegs immer ernst.
Die Lebensfreude des Papageno gehört ebenso dazu, wie die Suche nach Wahrheit durch Tamino. Die fröhliche Liebe zwischen dem Vogelfänger und dem besungenen „Mädchen oder Weibchen“ gehört dazu, wie die hehre Liebe „Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit an.“ Auf der einen Seite das volkstümliche schlichte Paar, auf der anderen Seite das auserwählte Thronfolgepaar.
Das Wichtigste ist für beide die Liebe. Daneben geht es um Essen und Trinken oder um Sinnsuche und Erkenntnis. Jeder soll nach seiner Facon selig werden, wie wir Freimaurer gern mit unserem Bruder Friedrich dem Großen sagen und damit neben religiösen Fragen auch Weltanschauung, Geisteshaltung und unterschiedliche Lebensformen meinen.
Tolerantes Miteinander auf dem Symbol der Waage der gleichen Ebene aller.
Auch das Schloss vorm Mund des Papageno ist natürlich kein konkretes Schloss, das den Mund verschließt. Das Symbol ist als eine Art „Maulkorb“ der Kirche zu deuten, eine Warnung:
„Volk, lass dich nicht mit Wahrheitssuchern ein.“
Anders gesagt, die Kirche, die sich im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnte, sah Aufklärer und Freimaurer mit ihrer offenen Wahrheitssuche als Bedrohung ihre Dogmen.
Verschlüsselte Kritik an Kirche und Dogmen
Als Allegorie kirchlicher Aktion und Reaktion auf Aufklärung und Freimaurerei ist deshalb auch die „Königin der Nacht“ mit ihren drei Damen zu deuten. Sie verdrehen die wahren Hintergründe ideologisch und stiften erheblich für Verwirrung.
Die Kirche versucht die Wahrheitssuchenden mit aller Macht zurückzuhalten. Übrigens wurden solche Wahrheitssucher, nämlich Aufklärer und Freimaurer, aber auch Protestanten und Reformer, in den Kanzelpredigten der damaligen Zeit üblicherweise „Bösewichter“ genannt. Schon im ersten Akt der „Zauberflöte“ wird auch Sarastro als solcher bezeichnet.

Als Allegorie kirchlicher Aktion und Reaktion auf Aufklärung und Freimaurerei ist deshalb auch die „Königin der Nacht“ mit ihren drei Damen zu deuten. Sie verdrehen die wahren Hintergründe ideologisch und stiften erheblich für Verwirrung.
Die Kirche versucht die Wahrheitssuchenden mit aller Macht zurückzuhalten. Übrigens wurden solche Wahrheitssucher, nämlich Aufklärer und Freimaurer, aber auch Protestanten und Reformer, in den Kanzelpredigten der damaligen Zeit üblicherweise „Bösewichter“ genannt. Schon im ersten Akt der „Zauberflöte“ wird auch Sarastro als solcher bezeichnet.
Wie konnte es zu solchen Missverständnissen kommen?
Entstanden aus der symbolträchtigen Welt der mittelalterlichen Bauhütten hatte sich Freimaurerei Anfang des 18. Jahrhunderts als Idee des sinnvollen Bauens und Gestaltens von Zeit und Raum entwickelt.
Das war symbolisch gemeint und will übersetzt werden in Geisteshaltung und Lebensstil. Selber bauen, selber ausgestalten, mündig, selbst die Geschicke in die Hand nehmen, das stand allerdings auch gegen festgefügtes Schicksal und ergebende Demut, wie sie durch absolute Kirchen verstanden und gepredigt wurden.
„Aufklärung“ hatte Kant als Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit gedeutet.„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Die Freimaurerei hat von Anfang an den mündigen Menschen angesprochen und ihn zum Gebrauch des eigenen Verstandes geradezu ermuntert. Das ließ sich auch gegen Dogmen und Grenzen auslegen und musste die Kirche zwangsläufig misstrauisch machen.
Mittel zum freien, grenzüberschreitenden Denken war zum Beispiel die Bausymbolik. Der rechte Winkel steht für Rechtes, das heißt für richtiges Denken und Tun. Der Zirkel als ein Sinnbild der Gemeinschaft schlägt Lebenskreise und Gedankenkreise. Der Zirkel der Liebe schließt alle Menschen ein, auch die Andersdenkenden und Andersgläubigen. Das Senkblei lotet den eigenen Tiefgang aus, aber auch die eigenen Abgründe. Die Waage, auf der wir uns gleichberechtigt begegnen.
Rituell gehören bei uns weiße Handschuhe dazu, die auch Sarastros Priester in der Zauberflöte tragen, um damit symbolisch anzudeuten, dass unsere Handlungen unbefleckt und sauber sein sollen. Anständigkeit und Redlichkeit signalisiert das.
Das musivische Pflaster ist zu nennen, mit den Polaritäten Hell und Dunkel, Tag und Nacht, Gut und Böse. Wir alle bewegen uns auf diesem Pflaster. Es ist das ewige Gegeneinander und Miteinander von Licht und Schatten. Natürlich auch im Doppelsinn, was den symbolischen Handlungsrahmen der „Zauberflöte“ unmittelbar berührt.
Die Verschlüsselung über Symbole war vor dem Hintergrund der Aufklärung sehr attraktiv. Wer sich in Symbolen ausdrücken konnte, der musste nicht alles tatsächlich sagen und schreiben. Ja, manches wäre politisch oder aus der Sicht der Kirche sogar hochbrisant gewesen.
Ich will nur den Gedanken ansprechen, dass sich Papageno möglicherweise aus „Papa“ und „Geno“, aus (Gens = das Volk) ableitet. Kühne Denker mutmaßen damals eine Anspielung auf Il Papa, den Papst, und dessen illegitimen Sohn. Verschlüsselte Stichelei gegen Kirche und Zölibat.
Da die Entschlüsselung jedem selbst überlassen bleibt, konnten sich Mozart und Schikaneder mit Unschuldsminen zurücklehnen. Anzunehmen, dass vor allem Schikaneder, der sich den Papageno selbst auf den Leib geschneidert hatte, solche Munkeleien mit diebischer Freude hörte. So und ähnlich verschlüsselte man damals und blieb unangreifbar.
Freimaurerei ist auch heute noch ein Symbolbund, der sich deswegen individuell erschließt, weil Symbole immer mehrdeutig auslegbar sind. Das Symbol ist ja zunächst nicht anderes als eine Leitidee. Die Ansicht ist weit verbreitet, dass Mozart und Schikaneder ihrem verehrten Meister vom Stuhl, Ignaz von Born, in die Figur des Sarastro ein Denkmal setzen wollten.
Denn von Born galt als Lichtgestalt in der Wiener Freimaurerszene des späten 18. Jahrhunderts. Über ihn hätte man gleichzeitig einen Link zur Deutung ägyptischer Bezüge in der Zauberflöte.
Übrigens heißt der altpersische Religionsstifter Zaratustra auf Italienisch Sarastro, was eigentlich nichts anderes bedeutet als eine symbolische Kunstgestalt des Lichtträgers. In den Heiligtümern des Zaratustra brannte immer ein Feuer, ein quasi ewiges Licht. Licht steht hier im tieferen Sinne von „Erleuchtung“, „Einsicht“, „Erkenntnis“, „Danach-Streben“, aber auch für ausstrahlende Kraft, schöpferischen Gedanken.
Das kann eine Idee sein, ein ethisches Prinzip, ein Symbol. Bei Echnatons „Ra“r“ im alten Ägypten war das Symbolbild Gottes die Sonne. Die abgebildete Sonne signalisierte Gott, das schöpferische Prinzip.
Christus sagt, „Ich bin das Licht der Welt“. Allah ist das Licht des Himmels und der Erde, sagt der Islam. Sonnenlicht ist unmittelbares Erkennen, man sieht es direkt. Das Mondlicht reflektiert lediglich.
Also, auf der einen Seite das zeugende, ausstrahlende Prinzip, auf der anderen Seite das empfangende, zurückgebende Licht. Früher hat man das gern als männlich und weiblich interpretiert.
Auch das Yin-Yang Prinzip der Asiaten geht von dieser Polarität aus. Kräfte, die einander bedingen, Tag und Nacht, Mann und Weib. In der „Zauberflöte“ wird es besungen.
Die Polarität von Licht und Dunkelheit
Mit den Symbolfiguren der „Königin der Nacht“ und der Lichtgestalt des „Sarastro“ wird es polar verdeutlicht. Sie bekämpfen einander und bedingen einander doch. Tag ohne Nacht gibt es so wenig wie Nacht ohne Tag, Licht ohne Schatten, Schatten ohne Licht.
Sie bekämpfen einander und bedingen einander doch. Tag ohne Nacht gibt es so wenig wie Nacht ohne Tag. Licht ohne Schatten, Schatten ohne Licht.
Der Freimaurer Herder deutete schon vor fast 200 Jahren, Licht ist im Kampfe mit der Nacht. Jenes, (nämlich das Licht) durch Vernunft und Wohltätigkeit, diese, (nämlich die Nacht), durch Grausamkeit, durch Betrug und Ränke wirkend. Das ist der symbolische Kern der „Zauberflöte.“

Die Freimaurerei ist eine Lichtsuche. Das Licht kommt aus dem Osten, im Westen geht es unter und verschwindet in der Nacht. Lediglich als Widerschein des Mondes ist es noch zu sehen. Am Morgen heißt es jedoch, die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht. Diese schlichte naturwissenschaftliche Erkenntnis wird von Sarastro in der Zauberflöte besungen. Aber gemeint ist eben auch die Gewissheit, dass das Licht der Aufklärung und Erkenntnis die Niederungen dunkler Mächte und dunkler Triebe überwindet. Das ist die Schlussdramaturgie der „Zauberflöte“.
Die freimaurerische Aufnahmeszene in der Oper
Der Norden wird bei uns Freimaurern symbolisch dem Lehrling zugerechnet, also dem neuen Mitglied einer Loge. Der von uns sogenannte Suchende nähert sich aus dieser Himmelsrichtung Sarastro im Rezitativ.
„Tamino wandelt an der nördlichen Pforte unseres Tempels. Er will den nächtlichen Schleier von sich reißen und ins Heiligtum des größten Lichts blicken.“ Der nächtliche Schleier ist der Schleier der Unwissenheit und Voreingenommenheit.
Symbolisch und rituell-dramaturgisch wird dies auch heute noch in den Freimaurerlogen so dargestellt.
Die Brüder werden gefragt, ob sie der Aufnahme zustimmen. Der Aufseher fragt in der Oper: „Er besitzt Tugend?“ Sarastro: „Tugend!„. Aufseher: „Auch Verschwiegenheit?“ Sarastro: „Verschwiegenheit!“ Aufseher: „Ist wohltätig?“ Sarastro: „wohltätig!“ Danach gibt es das sogenannte Beifallszeichen der Brüder Freimaurer in der Zauberflöte, umgesetzt durch dreimaligen Hornstoß.
Dann zeigt sich Sarastro zufrieden über die Einigkeit eurer Herzen. Alle wiederholen das Beifallszeichen.
„Sein Geist ist kühn, sein Herz ist rein. Bald wird er unsrer würdig sein. Aber wird er die Prüfungen bestehen? Er ist ein Prinz!
Worauf Sarastro sagt: „Mehr!, Er ist ein Mensch!“
Das kennzeichnet prägnant das Wesen unserer Freimaurerei. Nicht Rang, Stand, irdische Reichtümer, Hautfarbe und Religion sind wichtig, sondern nur der Mensch. „Und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zur Pflicht“ singt Sarastro in der berühmten „Hallenarie“. „In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht.“
In den meisten deutschsprachigen Freimaurerlogen erklingt heutzutage diese Sarastro-Arie zur Aufnahme eines neuen Mitgliedes.
Vor der Aufnahme hat man dem Neuen alle Metalle, das heißt alle Besitztümer abgenommen, um die Standesunterschiede aufzuheben. Symbolisch heißt das, er wird der reine Mensch unter Menschen. Auch in der „Zauberflöte“ ist das so. Und die drei Knaben geben nach der Einweihungsszene singend zurück, „was man euch abgenommen.“ Dazu gehören auch die „Besitztümer“, Flöte und Glockenspiel.
Ägyptische Mysterien und die vier Elemente
Was hat das nun mit Ägypten zu tun? Immerhin lautete der erste Arbeitstitel der „Zauberflöte“ noch bis kurz vor der Premiere von 1791: „Die Egyptischen Geheimnisse.“ Sicher ist, dass Mozart und Schikaneder das eingangs erwähnte Sethos Buch gelesen hatten. Und es darf auch als gesichert angesehen werden, dass sie sich von diesem Stoff inspirieren ließen.
Textvergleiche belegen das. Terrasson schreibt: „O Isis, große Göttin der Ägypter, gib deinen Geist dem neuen Diener.“ Schikaneder schreibt: „O Isis und Osiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar.“
Terrasson schrieb: „Wer diesen Weg allein geht, der wird gereinigt werden durch Feuer, Wasser und durch Luft.“
Schikaneder schrieb: „Der, welcher wandelt diese Straße voll Beschwerde, wird rein durch Feuer, Wasser und durch Erde.“
Die Elemente spielen noch immer eine Rolle in den freimaurerischen Ritualen. Und diese Rituale sind noch immer identisch mit denen, die zu Mozarts Zeiten bearbeitet und erlebt wurden.
Die „Zauberflöte“, so erfahren wir im zweiten Akt, wurde während eines Gewitters, bei Blitz und Donner, Sturm und Braus aus dem Stamm einer tausendjährigen Eiche geschnitzt. Da sie aus allen vier Elementen entstanden ist, zeigt ihr Symbol, dass man die Elemente auch beherrschen kann.
Der Baum steht für die Erde, der Blitz für das Feuer, der Sturm für die Luft und Braus für Wasser. So erweitert sich das Symbol der Zauberflöte auf die Macht der Liebe, die stärker ist als alle Widrigkeiten. Nimmt man die angedeuteten Symbolbezüge, dann muss man fragen, wie geht das alles zusammen mit der märchenhaften Handlung?
Schikaneder und Mozart halten sich in ihrer Deutung zurück. Mozart lässt seine wunderbare Musik sprechen und allein gelassen mit ihr hätten wir sicher keine Fragen. Er spielt natürlich auch mit Gegensatzpaaren.
Nicht von ungefähr singt Sarastro den tiefsten Ton der Oper und die Königin der Nacht den höchsten, jeweils ein f. Vier Oktaven liegen dazwischen.
Aber das Libretto, die Dramaturgie, was fangen wir damit an? Nun, nach dem Gesagten ergibt sich dieser kleine Leitfaden durch Symbole und Allegorien.
Symbolik der Figuren und Handlung
Dunkelheit, Nacht, Bosheit, Mystizismus: „Die Königin der Nacht.„
Licht, Wahrheit, Weisheit, Aufklärung: „Sarastro.“
Die Macht der Liebe, die alles besiegt: „Die Zauberflöte.“
Fröhliches Geläut, das zum Tanzen anregt: „Das Glockenspiel.“
Finstere Gedanken, dunkle Seele: „Monostatos.“
Bürgerliche Lebensfreude, Schwäche für Essen, Wein und Weib: „Papageno.“
Weiblichkeit, Koketterie, irdisches Glück: „Papagena.“
Liebe, Schönheit, Reinheit: „Pamina.“
Sinnsuche, Streben nach höherer Erkenntnis: „Tamino.“
Diese Grundlinien sind immer derart symbolisch vorhanden, in welche Zeitumstände und Zusammenhänge man die „Zauberflöte“ auch stellt.
Wie das geht, zeigen zwei Beispiele aus früheren Zeiten.
Zeitgenössische politische Deutungen
Die erste, tiefergehende Betrachtung von außen stammt von 1794, also drei Jahre nach der Uraufführung. Sie deutet die Zauberflöte als Allegorie auf die zeitgleiche französische Revolution, die ja die alten freimaurerischen Fanale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als Kampfansage benutzt und leider auch missbraucht hatte.
Gewiss, die idealistische These von der Einheit des Menschengeschlechts und der konkrete Entwurf der Menschenrechte hatten freimaurerische Verfasser. Aber Freimaurerei war niemals ein Kampfbund zur Durchsetzung solcher Ideale.
So deutet die Rezension von 1794 Tamino als Symbolfigur Frankreichs.
Das Volk wird durch die Weisheit der Aufklärung und Freimaurerei, symbolisiert durch Sarastro, aus den Händen des Feudalismus, Königin der Nacht, befreit. Die Zauberflöte bewirkt, dass alle wilden Tiere ihre Wildheit ablegen. Der Löwe als Symbol für die Niederlande, der Leopard das Wappentier Englands und natürlich auch der preußische Adler.
Die Völker Europas machen sich auf den Weg, friedlich miteinander zu leben. Papageno symbolisiert das Volk, das nichts anderes will als zu leben und zu genießen. Zum guten Schluss siegt die Freiheit. Die Gleichberechtigung, auch von Mann und Frau, wird selbstverständlich und die Brüderlichkeit führt zum besseren Miteinander in einer besseren Welt. Natürlich hat man kurz danach den Inhalt auch mit österreichischen Augen übersetzt.
Kaiser Franz I., dem die österreichische Maurerei viel zu verdanken hatte, ist gestorben. Seine streng katholische Frau Maria Theresia regiert mit strenger Hand und duldet keine liberale Deutelei. Sie wird in der Gestalt der Königin der Nacht verschlüsselt und symbolisiert.
Gleichzeitig die katholische Kirche. Besorgt hat der Kaiser vor seinem Ableben beider Liebstes, nämlich das Land Österreich, in die Obhut der Freimaurer gegeben. Symbol für Österreich, Pamina.
Symbolfigur für die Freimaurerei, Sarastro. Im Weisheitstempel werden die Lehren der Humanität bewahrt. Das Ideal der Freiheit, die Erkenntnisse der sieben Tugenden, der sieben Künste und Wissenschaften und die Symbolinhalte des siebenfachen Sonnenkreises.
Sarastro will Pamina und die Lebensweisheiten behüten bis ein würdiger naht. Eine Art Franz II. Tamino ist das Symbol für die Rolle des Thronfolgers.
Er zieht aus, um die Liebe seines Volkes Österreich, Pamina, zu erringen. „Dies Bildnis ist bezaubernd schön.“ Die idealisierte Darstellung der Humanität, der Würde, des Menschen.
Es lohnt sich für diese Werte zu streiten. Er findet den Weg zu seinem Volk, aber nur über Schrecken und Strafen. Und die katholische Kirche will ihn zu ihrem Werkzeug machen.
Nun kommt Papageno. Symbol für das einfache Volk. Einfältig zwar, aber allzeit guter Dinge.
Tamino und Papageno stehen hier als Symbolpaare von Idealismus und Realität. Nun, letztlich gelangt Tamino in den Vorhof des Tempels, der Wahrheit und der Weisheit. Anders gesagt, der Kaiser wird Freimaurer.
Österreich ist befreit. Die Humanität siegt. Für beide Deutungen singt der Priesterchor im ersten Akt:
„Wenn Tugend und Gerechtigkeit / den großen Pfad mit Ruhm bestreut,/ dann ist die Erde ein Himmelreich /und Sterbliche den Göttern gleich.“
Ein Ideal. Natürlich. Damals wie heute. Freimaurer sind Idealisten. Die Welt ist in einem schlimmen Zustand, misst man sie am Ideal. Aber der Zustand wäre sehr viel schlimmer, wenn wir uns nicht wenigstens am Ideal orientieren würden.
Diese zwei frühen Deutungen der Zauberflöte zeigen uns, dass man die Handlung auch jeweils zeitgenössisch übersetzen und adaptieren kann, ohne den roten Faden und die Grundsubstanz zu verfälschen. Nicht anders macht es Christoph Hagel in Berlin mit seiner U-Bahn-Inszenierung. Was bei aller Deutelei bleibt, ist die Grundlinie des thematischen Weges aus dem Dunkel zum Licht.
Was bleibt, ist auch die freimaurerische Spur. Sie muss nicht werbend verkauft werden. Das ist nicht Sache der Freimaurer.
Freimaurerei als kulturelle Inspiration
Fest steht, dass die Freimaurerei Kulturschaffende immer wieder inspiriert hat, dass Goethe freimaurerische Gedichte schrieb, dass Lessing laut darüber nachdachte, dass Freimaurerei „immer“ war, dass Haydn freimaurerische Musik schrieb und Corinth, Schadow und Chagall freimaurerische Bilder malten. Das ist gewiss kein Zufall. Auch Mozart und Schikaneder haben sich sozusagen „selbstverständlich“ von Freimaurerei inspirieren lassen.
Mozart-Biograph Heinz Schuler schreibt: „Kaum eine nach 1784 geschriebene Note Mozarts ist frei vom brüderlichen Einfluss.“
„Den geistigen und kulturellen Einfluss der Freimaurerei auf Mozarts schöpferischen Impuls“ , betont auch Bernhard Paumgartner in seiner großen Mozart-Biografie. „Der Mensch Mozart, der Kompositeur Mozart und der Freimaurer Mozart sind untrennbar.“ sagt Schuler.
Der Komponist Ferruccio Busoni über die „Zauberflöte“: „Diese vereint in sich das Erzieherische, Spektakelhafte, Weihvolle und Unterhaltsame, zu welchem allen noch eine bestrickende Musik hinzukommt.“
Und um noch den Freimaurer Goethe mit dessen Blick auf die „Zauberflöte“ zu zitieren:„Den Eingeweihten wird der höhere Sinn nicht entgehen.“
Quellenangabe:
Der obige Text ist entnommen der Broschüre: Freimaurerische Aspekte der Zauberflöte
Verfasser: Jens Oberheide. Öffentlicher Vortrag vom 3. Mai 2008 anlässlich der Opernaufführung „Die Zauberflöte in der U-Bahn“ am 31. 8. 2008

