Zum Nach- und Weiterdenken
Geistige Impulse stellen eine kurze, komprimierte, inhaltliche Auseinandersetzung mit einer grundlegenden Aussage des Neuen Testaments dar. Dabei orientiert sich jeder einzelne Impuls direkt und unmittelbar an den der Lehre Jesu, aus der er sich inhaltlich jederzeit folgerichtig und schlüssig ableiten lässt.
Sprachkürze schafft Denkweite
Die unter unten aufgelisteten Kurztexte sind Artikel, die auf X erschienen sind. Darunter finden Sie ausserdem Diskussionsbeiträgen auf Twitter oder Ausschnitte eigener Kommentaren auf Christophilos sowie teilweise Auszüge aus Essenzen – Die Botschaft Jesu. Manche dieser Kurztexte sind auch einfach nur Gedankensplitter zu einer bestimmten Thematik. In diesem Fall sind es Textsammlungen, die mir als Grundlage für spätere Blogbeiträge dienen.
Das Gottesbild Jesu

Warum Gott unteilbar ist
Das Schma-Israel („Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott“, 5. Mose 6,4) bildet nicht nur das fundamentale Glaubensbekenntnis des Judentums, sondern ist zugleich das unabdingbare Fundament, auf dem das gesamte Gottesbild Jesu ruht. Wenn Jesus dieses Gebot im Markusevangelium (Mk 12,29) als das vornehmste aller Gebote hervorhebt, begründet er damit eine radikale, ungeteilte Sicht auf die Wirklichkeit. Das hebräische Wort für „einig“ oder „eins“ in diesem Vers ist „echad“ – es bezeichnet im Kern eine vollkommen unteilbare, einzigartige und verbundene Einheit.
Aus dieser absoluten Einheit Gottes folgt eine logische und existenzielle Konsequenz, die für das Verständnis der Lehre Jesu unerlässlich ist:
1. Die Aufhebung des dualistischen Weltbildes (Kein Außerhalb Gottes)
In der ungeteilten Wirklichkeit des Schma-Israel existiert schlichtweg kein „Außerhalb“ Gottes. Gäbe es einen Bereich, eine Kraft oder eine geschöpfliche Autonomie unabhängig von seinem Wirken, so wäre Gott nicht allmächtig und damit nicht Gott. In diesem Sinne beschreibt die christliche Philosophie Jesus als den konsequentesten und radikalsten Pantheisten: Er setzte das Sinnbild des „Vaters“ mit einem allumfassenden, widerspruchsfreien Gottesbegriff gleich, in dem es keinen eigenständigen Gegenspieler (wie den Satan oder das Böse als eigenständige Macht) geben kann.
Gott ist das reine Leben und die Existenz selbst („ICH BIN“). Das Böse und der Tod besitzen keine eigene ontologische Substanz, sondern sind zeitliche Erscheinungen und Ausdruck eines Mangels an Erkenntnis – eine Nichtexistenz, die in der Berührung mit dem ungeteilten Geist Gottes weichen muss.
2. Gott als allwirksame Ursache aller Geschehnisse
Wenn Gott unteilbar eins ist, dann muss er folgerichtig auch die allwirksame Ursache ausnahmslos aller Geschehnisse sein – der angenehmen wie der leidvollen, der gerechten wie der ungerechten. Wer Gott aus dem Übel, der Schuld oder dem Leid ausklammert, spaltet die Wirklichkeit in einen göttlichen und einen gottlosen Bereich und beraubt das Kreuz Christi seines gesamten Erlösungssinns.
Aus dieser monistischen Prämisse entfalten sich die Kernthesen der Lehre Jesu:
- Metanoia (Die Sinnesänderung): Jesu erster Aufruf zur Metanoia („Ändert euren Sinn!“) fordert uns auf, unsere Einstellung gegenüber der Wirklichkeit grundlegend zu ändern. Soweit wir fähig sind, Gottes Wirken und Gegenwart auch im Unabänderlichen – in eigener Schwäche, im Leid und im Tod – zu suchen und vertrauensvoll anzunehmen, wird das vormals Sinnlose im Geist mit Sinn und Leben geflutet.
- Gethsemane als Vollzug der Einheit: Jesu Gebet in Gethsemane („Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“) war kein Gehorsamsakt unter fortbestehender Differenz zwischen menschlichem und göttlichem Willen. Es war die vollkommene Selbstverleugnung des befangenen menschlichen Eigenwillens, um unteilbar eins mit dem allwirksamen Willen des Vaters zu werden. „Wenn jemand mein Jünger sein will, dann muss er sich selbst verleugnen, er muss sein Kreuz aufnehmen und mir folgen.“ Mt 16,24 Wer glaubt, ein Wille, der verleugnet werden soll, stelle weiterhin eigene alternative Größe gegenüber dem Willen Gottes dar, irrt.
- Die Kausalität der unbedingten Vergebung: Weil Gott ungeteilt eins ist, existieren in ihm keine Anklage, kein Gericht und keine Schuld. Jesu Vergebungsbitte am Kreuz („Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“) ist die einzig schlüssige Konsequenz dieser Allwirksamkeit. Da die Täter unwissend den notwendigen Heilsplan zur Erlösung der Welt vollstreckten, handelten sie in Übereinstimmung mit Gottes ewigem Willen und sind vor Gott objektiv frei von Schuld und Anklage.
Fazit :
Das Schma-Israel ist der Schlüssel, der das Evangelium aus den Fesseln einer moralisierenden Gesetzesreligion befreit. Nur wer Gott als das ungeteilte Ganze begreift, versteht, dass uns in ausnahmslos jeder Erscheinung – auch in unserem Feind – Gott selbst begegnet. Soweit wir die ungeteilte Wahrheit über uns selbst in aufrichtiger Selbsterkenntnis annehmen, erkennt Gott Sich selbst in uns, wodurch Gott und Mensch in vollkommener Herrlichkeit eins werden.
Das Zeichen im Schatten

Die Jungfrauengeburt und die Metanoia des Makels
Die etablierte kirchliche Dogmatik klammert sich seit Jahrhunderten an die Vorstellung einer biologischen Jungfrauengeburt als unumstößliches Wunder, um die Göttlichkeit Jesu zu beweisen. Doch wer das Geschehen auf ein rein physisches Mirakel reduziert, übersieht die revolutionäre und tiefgründige Weisheit, die diesem Sinnbild in Wahrheit innewohnt.
Das sprachliche Missverständnis und das wahre Zeichen Der theologische Irrtum beginnt bereits bei der Übersetzung der alttestamentlichen Verheißung in Jesaja 7,14. Im hebräischen Urtext ist keineswegs von einer Jungfrau im biologischen Sinne die Rede, sondern von einer „almâh“ (עַלְמָה). Als solche bezeichnete man im Hebräischen eine junge Frau bis zur Geburt ihres ersten Kindes – unabhängig von ihrer sexuellen Unberührtheit. Erst in der späteren griechischen Übersetzung wurde daraus das Wort für „Jungfrau“.
Wenn Gott ein Zeichen ankündigt, dann besteht dieses Zeichen nicht in einem biologischen Ausnahmefall. Das wahre Zeichen liegt im gesellschaftlichen Makel einer unehelichen Schwangerschaft. Der Vater des Kindes wird in der Prophezeiung bewusst nicht erwähnt. In einer Kultur, in der schwangere Ledige von der Steinigung bedroht waren und unter extremer gesellschaftlicher Ächtung standen, bedeutete diese Schwangerschaft für eine unverheiratete junge Frau den sozialen Ruin und Lebensgefahr. „Der Geist Gottes wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten …“ Luk 1,35
Marias Magnificat: Würde im Unwürdigen Erst vor diesem Hintergrund wird das Magnificat Marias (Lukas 1,46) in seiner existenziellen Tiefe verständlich: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“. Marias Freude über ihre Rettung war kein Triumph biologischer Reinheit, sondern der Ausdruck eines unerschütterlichen Glaubens, der sie gedanklich über den gesellschaftlichen Makel ihrer unehelichen Schwangerschaft emporhob.
Dass Maria „vom Heiligen Geist“ schwanger war, ist im tiefsten Sinne geistig zu verstehen: Sie glaubte der Verheißung Gottes und schämte sich nicht für eine Schwangerschaft, die für die Welt bzw. gesellschaftlich eine Schande war. Ihre Würde lag darin, dass sie mitten im Unwürdigen an ihre göttliche Würde glaubte. In ihrer Bereitschaft, die Schande und die Lebensgefahr auf sich zu nehmen („Mir geschehe nach deinem Wort“), vollzog sie jenen radikalen Willensverzicht, der später zum Kern der Lehre ihres Sohnes Jesus werden sollte, der als gesellschaftlich Geächteter, die Würdelosigkeit seiner Hinrichtung auf sich nahm. Würdelos ist schließlich nicht derjenige, der Würdeloses erduldet, sondern nur derjenige, der das Erlittene selbst für würdelos erklärt.
Die Ächtung der Welt als Bestätigung durch Gott Dieses Prinzip zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Neue Testament: Gott kommt in das Niedere, Unwerte und Verachtete, um ihm Ansehen und Ehre zu verschaffen. Die göttliche Allmacht offenbart sich nicht im glanzvollen Triumph weltlicher Perfektion, sondern paradoxerweise im Zustand äußerster Ohnmacht, Schwäche und gesellschaftlicher Verachtung.
Wie der Apostel Paulus in 1. Korinther 1,28–29 schreibt: „Was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt…“. Das in der Prophezeiung angekündigte Zeichen Gottes beruht auf der gesellschaftlichen Ächtung und Geringschätzung dessen, was vor Gott heilig ist.
Durch den Glauben erkennen wir Gottes Wirken exakt in dieser Ächtung durch die Mitmenschen. Jede gesellschaftliche Ausgrenzung, die wir durch eine aufrechte, wahrhaftige Geisteshaltung erleiden, ist keine Strafe, sondern die negative Form der Bestätigung durch Gott. „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jubelt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.“ Luk 6,20 Wie Simone Weil treffend schrieb, macht das erlittene Böse uns nicht minderwertig, sondern offenbart erst unseren wahren, unzerstörbaren Rang vor Gott. Wer mitten in der ungerechtfertigten Erniedrigung inneren Frieden findet, der erfährt, dass das Unschöne und Unabänderliche durch die vertrauensvolle Einwilligung in den ewigen Geist, Sinn und unzerstörbaren Trost verwandelt wird.
Fazit Das Dogma der biologischen Jungfrauengeburt ist eine nachträgliche, rein physische Verengung der Kirche, die der revolutionären Botschaft die Spitze abbricht. Das Evangelium verkündet keinen unnatürlichen Zauber, sondern einen radikalen Perspektivwechsel (Metanoia): Das Vollkommene kommt in das Unvollkommene, das Edle in das Unwerte und das Reine in die Schande, damit das Niedere im unerschütterlichen Vertrauen auf Gott zu neuer, unvergänglicher Herrlichkeit auferweckt werde.
Warum sterben wir?

Dass der Mensch stirbt, ist kein unvorhergesehenes Strafgericht eines zornigen Schöpfers, sondern es ist die unmittelbare Konsequenz jener Erkenntnisfähigkeit der Gegensätze, die der Mensch im Paradies erworben hat, so wie es in der Geschichte vom Sündenfall beschrieben wird. Durch das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wurden dem Menschen die Augen geöffnet und er erkannte Dinge, die er ohne diese Fähigkeit nicht wahrgenommen hätte, so wie Gott es angekündigt hatte. Gegensätze wie gut und böse, Tod und Leben, verborgen und offenbar, nackt und bekleidet, werden dort bereits erwähnt.
Der Zustand vor dem Sündenfall: Die erkenntnislose Einheit
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum zu glauben, vor dem Sündenfall habe es in der Natur kein biologisches Sterben gegeben. Die Wahrheit ist eine andere: Aus der Sicht des erkenntnislosen Ur-Menschen existierte der Tod schlichtweg nicht, weil er mangels einer entwickelten Erkenntnisfähigkeit den Tod gar nicht als einen Gegensatz zum Leben wahrnehmen konnte. Das heißt, er ruhte in einer unbewussten, paradiesischen Einheit.
Der Sündenfall: Der Erwerb der Gegensätzlichkeits-Erkenntnis
Erst durch den symbolischen Akt des Essens vom Baum der Erkenntnis wurde dem Menschen die Welt der Gegensätze bewusst: Gut und Böse, Licht und Finsternis, Freude und Leid und eben auch Leben und Tod. Diese Dinge bedingen einander; das eine kann ohne das andere für uns im Alltagsverstand nicht mehr gedacht werden. Doch die Art und Weise, wie wir im Paradies zu dieser Erkenntnis gelangten, hat uns von Gott – der das reine, ungeteilte Leben selbst ist – entfremdet und uns sterblich gemacht. Warum? Weil die Schlange das Sinnbild der Endlichkeit der Dinge ist. Die Erkenntnis, die wir durch sie erwarben, konnte folglich nur das Endliche, das Temporäre, das Unvollkommene und das Sterbliche sichtbar machen. In Christus erkennen wir nun das Unsichtbare:
„Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ 2. Kor 4,18
Die Sünde als Irrtum über die Bedeutung des Todes
Hierin liegt der eigentliche Irrtum (die Sünde) und die Täuschung: Wir bewerten unser Dasein fälschlicherweise als endlich bzw. als begrenzt und vergänglich, da wir noch immer unter der Erkenntnis der Schlange stehen, die sich nur auf das Sichtbare beschränkt. Weil wir glauben, das Leben erschöpfe sich in unserer zeitgebundenen, fleischlichen Hülle, entsteht die lähmende Todesangst. Diese Angst macht den Menschen korrumpierbar und führt zu einer profanen und geistlosen Existenz. Unter Sünde ist somit weniger eine moralische Verfehlung zu verstehen, als vielmehr das Handeln aus diesem Irrtum der Trennung und der Endlichkeit (der Schlange) heraus. Die schöpferische Notwendigkeit (Felix Culpa) Obwohl uns der Sündenfall sterblich machte, war er dennoch ein „Glücksfall“ (felix culpa), wenn wir ihn im Geist der Botschaft Jesu betrachten. Denn ohne diese im Paradies erworbene Erkenntnisfähigkeit der Gegensätze wäre der Mensch gar nicht in der Lage, die erlösende Botschaft Jesu überhaupt auf- und anzunehmen. Nur ein erkennendes Wesen kann Gott suchen und das Ewige vom Vergänglichen unterscheiden.
Die Überwindung des Todes in Christus
Jesus Christus bringt uns nun die vollständige Erkenntnis des Vaters, die über die unvollständige Erkenntnis der Schlange hinausgeht. Er lehrt uns den wahren Umgang mit unserer Erkenntnisfähigkeit, nämlich die Erkenntnis der Wahrheit:
„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ Joh 17,3 „
Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Joh 8,32
„Gott will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ 1. Tim 2,4
Indem wir nun – wie Jesus in Seiner Passion – das Unabänderliche unseres Schicksals, das persönliche Kreuz unserer Mangelhaftigkeit und Sterblichkeit, willig und vertrauensvoll aus der Hand Gottes annehmen, werfen wir es auf Ihn als die allwirksame Ursache zurück. Gott ist das reine, ungeteilte Leben, in dem kein Widerspruch und keine Trennung existieren können. Das Begrenzte und der Tod sind zeitliche Phänomene, die in der Berührung mit dem Geist einen radikalen Bedeutungswandel erfahren. Was vertrauensvoll in Gott hineingetragen wird, nimmt Seine unsterbliche Natur an. In dieser vollkommenen Einheit mit Gott existiert kein trennender Gegensatz mehr – und wo alle Trennung aufgehoben ist, da ist auch der Tod als ultimative Teilung ein für alle Mal überwunden. Der biologische Tod bleibt eine reale Grenze unseres irdischen Körpers, doch im Geist Jesu erkennen wir unser wahres Wesen als von Ewigkeit her ungeboren und unsterblich in Gott geborgen.
Inhalt:
Deutung des Gleichnisses vom Salz, das nicht mehr salzt
Der Sabbat – Die Ruhe vor der neuen Schöpfung
Inwiefern sorgt Gott für etwas?
Jungfrauengeburt
Alle Ursache liegt in Gott
Bedeutung des Sühnetodes Jesu
Zum Bilde Gottes schuf er ihn …
Was ist Sühne?
Gut und Böse
Rettung und Vergebung
Tod und Sterben
Freier Wille
Kreativität und Schöpfung
Äußere und innere Wahrheit
Wesen des Abendmahls
Überwindung des Bösen durch das Gute
Jüngstes Gericht
Schuld und Sühne
Feindesliebe
Heilung
Unentschuldbares
Lüge – Ursache des Todes
Der Fall in die Bedeutungslosigkeit
Vergebung
Universeller Anspruch
Göttliche Gnade vs. weltliche Gnadenlosigkeit
Liebe und Hass
Gotteskindschaft
Deutung des Gleichnisses vom Salz
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“ Mt 5, 13
Die Kraft, den irdischen Belangen Inhalte zu verleihen, liegt in uns: Es ist die Kraft des Geistes. Werden wir uns dieser Kraft nicht bewusst, müssen wir an leidvollen Geschehnissen zerbrechen, da wir sie nur für inhaltslos, sinnlos und bedeutungslos halten können.
Nutzen wir die Kraft des Geistes nicht, um dort Inhalte zu finden, wo keine sind, so schwächen wir den Geist, der es vermag, aus nichts etwas zu erschaffen. Ein kraftloser Geist wird an inhaltlosen, leidvollen, ungerechten und beschwerlichen Geschehnissen zerbrechen. Die Folge wird sein, dass wir uns weggeschüttet und zertreten fühlen.
„Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“ Mt 5,13
Sich weggeschüttet und zertreten zu fühlen, ist keine Strafe im menschlichen Sinn, sondern der einzig mögliche Nutzen. Warum? Weil diese Situation wiederum unsere Sehnsucht nach Geist und Sinn nährt.
24. 11. 2025
Der Sabbat – Die Ruhe vor der neuen Schöpfung
Das Pessach – Der Übergang zu Neuem
Jesus war nicht tot. Es war Gott selbst, der am Sabbat ruhte, dem jüdischen Pessach .
Am siebten Tag ruhte Gott von seiner Arbeit. Der Sabbat ist ein Sinnbild der Untätigkeit Gottes. Die Mission Jesu findet ihre Vollendung am Kreuz. Der Tod Jesu am darauffolgendem Sabbattag ist Sinnbild der Ruhe Gottes am Pessach, was „Vorübergehen“ oder „Überschreitung“ bedeutet. In Christus „überschreitet“ Gott die alte Welt am Sabbattag in Ruhe und Untätigkeit. Der Ruhe Gottes folgt in Christus die Auferstehung zu neuem Leben. In Jesus Christus hat sich Gott von seinem Ruhestatt erhoben, um erneut Schöpfer zu sein- um neues Leben zu geben. Nun gibt er jedem, der insistiert, bittet, sucht, anklopft:
„Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Luk 11, 5-10
„Sorgt“ Gott für etwas?
Sorgt Gott dafür, dass dieses oder jenes geschieht oder nicht geschieht?
Dieser Gedanke wäre eine Vermenschlichung Gottes. Gott „sorgt“ für nichts im menschlichen Sinne. Gott ist die Wahrheit und Wahres entsteht als Konsequenz einer Folgerichtigkeit. Wahrheit ist auch keine Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten. Wahrheit geschieht unausweichlich, wir können nur einwilligen in sie. In unserer Einwilligung werden wir eins mit ihr – werden wir eins mit Gott. Und ausschließlich in dieser Einheit erfahren wir alles Gute: Trost, Gnade, Liebe, Vergebung, Barmherzigkeit, Leben etc. Von dieser Art ist die „Sorge“ Gottes. Gott sorgt nicht wie ein Mensch für etwas sorgt. Der Gekreuzigte ist jener, der fähig war in alle Wahrheit einzuwilligen. Eben auch in jene Wahrheit, die sein Scheitern und seinen sicheren Tod bedeutete. Hier und nur hier kann Gott für etwas „sorgen“. Warum? Weil im Einswerden des Menschen mit Gott sich alles Notwendige unausweichlich finden muss. Das Notwendige aber ist die Liebe und das Leben selbst. Deshalb musste Jesus auferstehen. Seine Auferstehung war die Konsequenz seiner Einheit mit Gott. Damit hat er verdeutlicht, dass Einheit mit Gott, selbst im Tod Leben hervorbringen muss. Wäre es anders, so wäre Gott nicht Gott.
Jungfrauengeburt
Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanu-El nennen, das heißt Gott-mit-uns.
Jesaja 7,14
Tatsächlich ist in diesem alttestamentlichen Text, der als Prophezeiung für die Geburt des Messias herangezogen wird, nicht von einer Jungfrau im Wortsinn die Rede, sondern von einer עַלְמָה = almâh. Als „almâh“ bezeichnete man im Hebräischen eine junge Frau im heiratsfähigen Alter bis zur Geburt ihres ersten Kindes. Erst durch die spätere Übersetzung ins Griechische wurde aus der „almâh“ dann eine Jungfrau.
Ausserdem existierte im Hebräischen auch eine explizite Bezeichnung für eine sexuell noch unberührte Frau im Sinne des deutschen Begriffs Jungfrau und diese lautete: betula בתולה
Wegen der semantischen Unsicherheit musste im Hebräische bei dem Ausdruck בתולה („junge Frau“) zusätzlich sichergestellt werden, wenn die betreffende Person sexuell tatsächlich noch unberührt war. Diese Näherbestimmung erfolgt im Alten Testament mit präzisierenden Formulierungen wie: … ein Mann hatte noch nicht mit ihr geschlafen Gen 24,16 … die noch keinem Mann gehört hatte Lev 21,3 … die noch mit keinem Mann geschlafen hatte. Ri 21,12
Das „Zeichen“ , das Gott hier geben sollte war demnach, dass der Messias von einer unverheirateten Frau, ausserehelich empfangen sein sollte, was das neue Testament ja zweifelsfrei belegt. Somit lag der Geburt des Messias ein menschlicher Makel zugrunde. In diesem Kontext wird auch der Ausruf Marias verständlich:
Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Luk 1,46
Die Freude über Ihre Rettung aus der Niedrigkeit war Ausdruck ihres Glaubens, den Messias zur Welt zu bringen. Dieser Glaube hob sie gedanklich über den gesellschaftlichen Makel ihrer unehelichen Schwangerschaft.
Bezeichnend für die Botschaft Jesu wird später sein, dass das Niedrige und Unwerte eine unerhoffte Wertschätzung erfährt; von der Geburt im Stall bis zur Passion am Kreuz. Dieser Gedanke wird grundlegend für das gesamte Neue Testament:
Was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, auf dass sich kein Mensch vor Gott rühme.
1. Korinther 1, 28-29
27. 11. 2023
Alle Ursache liegt in Gott
Die Passion Jesu wird oft dahingehend missdeutet, dass er am Kreuz die Strafe für einen Fehltritt des Menschen verbüßte. Doch bereits der Jesajatext weist auf diese Fehlwahrnehmung hin:
Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte.
Jesaja 53,4
Wenn es daher heißt, dass Jesus die „Krankheit“ des Menschen auf sich genommen hat, so ist damit gemeint, dass Jesus die Verantwortung für alles Leid der Welt auf sich genommen hat. Denn derjenige, der die Verantwortung für einen Umstand auf sich nimmt und trägt, hat sich als dessen Verursacher zu erkennen gegeben. Am Kreuz hat Jesus Gott zur Ursache menschlicher „Krankheit“ gemacht. Jesus wusste: Erst wenn uns Gott zur Ursache dessen geworden ist, woran wir kranken und leiden, können wir davon erlöst werden.
25.7. 2023
Zur Bedeutung des Sinnbildes vom „Sühnetod“
Die Vergebung menschlicher Schuld durch Jesus Christus beruht auf einer äußerst schlichten Wahrheit: Jesus war es gegeben, Gott als Ursache aller Erscheinungen zu erkennen. Kraft dieser Erkenntnis war er fähig, selbst in Feindschaft, Unrecht, Schwäche, Leid und Tod, Gottes Willen zu finden. In diesem außerordentlichen geistigen Bewusstsein sah er sich in der Lage, das Leid der Welt auf sich nehmen. Warum? Jesus wusste, dass alles, was ein Mensch aus der Hand Gottes annimmt, nur gut sein kann, da aus Gott immer nur Gutes (Leben und Geist) fließt, selbst wenn es gegenteilig erscheint. Hierauf beruht der Stellvertretergedanke, nämlich, dass Jesus eine geistige Fähigkeit besaß, die kein Mensch aus eigener Kraft hätte erreichen können. Und durch sein Vorbild können nun auch wir fähig werden, das Beschwerliche aus Gott zu empfangen, ohne daran zu zerbrechen. Gut wird Böses, indem es Geist und Sinn erfährt, denn das Böse ist immer das Sinnlose und Geistlose. Jesus wusste um den Sinn seiner Passion. Indem wir diese Geisteshaltung Jesu annehmen wird alle menschliche Schuld und Schwäche, alles Unrecht, alles Leid, ja, selbst unser Tod Sinn finden. Was so Sinn gefunden hat, das hat aufgehört „Sünde“ zu sein, denn es hat Notwendigkeit gewonnen.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele
Matthäus 20, 28
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Matthäus 26, 27-28
Ihr seid von untenher, ich bin von obenher; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Deshalb habe ich euch gesagt, dass ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden.
Johannes 8, 23-24
In »Sünden« sterben bedeutet, in einem Zustand innerer Anklage, Schuldzuweisung oder Schuld zu sterben. Es bedeutet, nicht einwilligen zu können in den ewigen Willen, der alle Dinge wirkt. In der Einwilligung mit allen Geschehnissen werden wir eins mit Gott. Was eins geworden ist mit Gott, das ist ohne Schuld, denn in Gott existiert keine Schuld. Lebendig ist nur das, was Gott gleich ist und eben das (Gott) ist ohne Schuld.
Sühne bedeutet Wiedergutmachung. Durch den Tod Jesu wurde das Böse wieder gut. Die Sühne beruht darauf, dass Gott (Geist) allem bisher Gottlosen (Geistlosen) sich selbst verleiht, es also mit Sinn erfüllt. Im Geist Jesu findet alles bisher Sinnlose unverhofft Sinn. Darauf beruht die Erlösung durch das Opfer Jesu.
1. 6. 2023
Zum Bilde Gottes schuf er ihn…
Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn…
1. Mose 9,6
Der Schöpfungsbericht ist eine Metapher, denn Gott selbst ist ohne Bild. Zum Bild, und das heißt zum Wesen und Prinzip Gottes gehört die Fähigkeit, sich verloren geben zu können, um sich neu wieder zu finden. Dieses Gottesbild vermittelt Jesus angesichts seiner Passion. Deshalb musste Gott auch den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wachsen lassen. Hätte er das nicht getan, so wäre der Mensch nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen gewesen.
Durch das Essen vom Baum der Erkenntnis ging der Mensch verloren, d. h. er starb, so wie es Gott gewollt hatte nämlich so, wie er es immer auch für sich selbst wollte und will.
In Jesus Christus – in seiner Passion, zeigt Gott nun selbst auf „wie“ – also auf welche Weise – ein Gott verloren geht, um neu gefunden zu werden. Durch Jesus Christus erhält der Sündenfall eine tiefe Bedeutung und Notwendigkeit. Seiner Botschaft nach, gingen wir im Paradies verloren, „um“ neu gefunden zu werden: Das Prinzip der Auferstehung aller Wahrheit.
3. 11. 2022
Was ist Sühne?
Sühne bedeutet Wiedergutmachung. Durch den Tod Jesu wurde das Böse wieder gut. Die Sühne beruht darauf, dass Gott (Geist) allem bisher Gottlosen (Geistlosen) sich selbst verleiht, es also mit Geist und Sinn erfüllt. Im Geist Jesu findet alles bisher Sinnlose unverhofft Sinn. Darauf beruht die Erlösung.
Sühne = Sinnfindung. Um zu Gott zurückzufinden müssen wir zurückfinden zu Geist und Sinn – zu einem Gottesbild, das Ursache aller Dinge ist, so wie es Jesus gelehrt hat: Liebet eure Feinde! Indem wir beginnen ausnahmslos auch beschwerliche und leidvolle Erscheinungen zu lieben, wie Feindschaft, Unrecht, Leid und Tod , werden diese überwunden, da in Gott weder Feindschaft, noch Unrecht, noch Leid und Tod existieren können -da Gott alles dient.
1. 4. 2023
Gut und Böse
Das Gute ist authentisch, folgerichtig und selbstverständlich und kann daher nicht verneint werden. Das Böse ist beliebig, mutwillig und künstlich konstruiert. Eben weil es verneint werden kann, muss es mit Gewalt durchgesetzt werden.
Das Gute bedingt aller Erscheinungen auch der des Bösen, um sie zu transzendieren. Das Gute schließt das Böse ein. Das Böse hingegen bedingt des Guten nicht, sondern verfolgt und hasst es – versucht es auszuschließen: Grund und Ursache aller Lüge.
Das Gute ist das durch Wirklichkeit Belastbare und Substantielle. Das Böse ist substanzlos – es zerfällt unmittelbar bei der Belastung durch die Wirklichkeit.
Das Böse befiehlt den Vollzug der äußeren Handlung es besitzt weder Tiefe noch Transzendenz. Das Gute handelt aus innerer Notwendigkeit ohne fremde Anordnung oder einen Befehl von außen.
22. 10.2021
Rettung und Vergebung
Manche Menschen meinen sie seien gerettet, wenn sie nur eine bestimmte Gebetsformel sprechen und ihre Schuld sei vergeben wenn sie nur fest glauben, dass Jesus für ihre Sünden gestorben sei. Doch Rettung und Vergebung beruhen darauf, dass wir jene Geisteshaltung annehmen, die Jesus lehrte und lebte.
22. 9. 2022
Tod und Sterben
In der Sterblichkeit unseres Lebens liegt ein Sinn verborgen: Der Tod und mit ihm alles Mangelhafte ist unser Potential, um Tiefe und Bedeutung zu gewinnen, sofern wir diese Bereiche im Geist der Botschaft Jesu bedenken. Die Verdrängung menschlicher Schwäche, Leid u. Tod, ist die Verdrängung der Wahrheit über uns selbst. Dadurch wird das Leben seicht und bedeutungslos – werden wir vom Tod ereilt.
Freier Wille
Der Glaube an eine freie Willensentscheidung, macht den Gedanken der Verantwortung und der Schuld erst möglich. Nun aber nimmt Jesus Christus alle Schuld und Verantwortung auf sich. Was heißt das? Es bedeutet, dass durch ihn Gott wieder zum Urheber aller Geschehnisse wurde und wird, was dem eigentlichen und wahren Wesen Gottes entspricht.
29. 8. 2022
Kreativität und Schöpfung
Kreativität ist nie Relativierung oder Beliebigkeit, sondern sie ist eine authentische und glaubwürdige Interpretation der Wahrheit. Die höchste und vollkommenste Interpretation der Wahrheit ist ihre Erschaffung – ist Schöpfung. In Jesus Christus (in seiner Passion ) wird Gott zum Schöpfer neuer Wahrheit.
9. 7. 2022
Äußere und innere Wahrheit
Mathematik und Naturwissenschaft sind nur Sinnbilder der Wahrheit – sie sind es hinsichtlich der Unumstößlichkeit ihrer Logik und ihrer Erkenntnisse. Doch Begriffe wie Gnade, Liebe, und Barmherzigkeit sind ihnen fremd. Dabei sind das jene Größen die unserer menschliche Existenz viel grundlegender ausmachen, da sie unser ideelles Menschsein betreffen und uns durch Christus im Innersten berühren wollen.
27. 4. 2022
Das Wesen des Abendmahls
Das Brot nehmen und essen ist Wertschätzung und Andenken – ist das Wissen um die Notwendigkeit der Hingabe des Äußeren für das Innere. Den Leib essen ist äußeres Teilhabenwollen und ist Einwilligung in den Tod Jesu. Das Brot essen ist auch ein Sinnbild für das Annehmen der „Gestalt“ Jesu und seiner Geisteshaltung, es ist insofern Ausdruck der eigenen Hingabebereitschaft für die Sache Jesu.
Den Kelch nehmen und trinken ist Andenken und ist Einwilligung und Teilhabe am Leiden Jesu, und seiner Hingabebereitschaft, in der auch alles eigene Leiden verstanden sein soll. Der Inhalt (Wein bzw. Geist ) des Leides (Kelch) ist Wandlung des Leidvollen durch den Geist (Blut) dessen, der von königlich-himmlischem Geblüt. Wein ist ein Sinnbild geistiger Nahrung, die uns selbst und unsere Wahrnehmung verändert. Denn so wie der Wein ein Getränk ist, das eine Wandlung erfahren hat, wir auch der in seiner Wahrnehmung verwandelt, der ihn trinkt.
9. 5. 2022
Überwindung des Bösen durch das Gute
Das Böse an sich existiert in Christus nicht mehr, da es in seinem Geist überwunden wurde. Was wir sehen sind zwei Formen dessen, was wir als das Böse wahrnehmen, nämlich Erkanntes (Benanntes) und Unerkanntes (Namenloses). Was uns als Widerpart des Guten erscheint, ist in Wahrheit (nur) das noch unerkannte und das noch namenlose Gute. Alles Böse, das wir im Geist Jesu betrachten, muss erkannt werden. Indem es erkannt ist verliert es seine Namenlosigkeit, und eben darin ist es überwunden.
25. 3. 2022
Jüngstes Gericht
Die Welt ist im Geist Jesu überwunden, der Dunkles erhellt und Böses gewandelt hat. Ohne Geist muss alles sinnlos bleiben, denn Sinnlosigkeit ist Geistlosigkeit. Gericht ist die Verkennung Gottes, der Sinnloses geschehen lässt, um es zu überwinden, wodurch neuer, größerer Sinn geboren werden kann.
18. 3. 2022
Schuld und Sühne
Zwei universelle Wege zur Überwindung von Unrecht, ohne Vergeltung zu üben: Vergebung zu üben, und Einsicht in die Notwendigkeit aller Erscheinungen. Christus hat beide Wege vereint.
Feindesliebe
„Liebet eure Feinde!“ Gott als Ursache aller Dinge erkennen. Das Leben als ungeteiltes Ganzes verstehen u. annehmen: Nichts ausklammern, nichts verwerfen, alles bedingungslos aus der Hand Gottes entgegennehmen, wodurch alle Dinge gewandelt werden u. dienen können – ja, dienen müssen.
5. 3. 2022
Heilung
Christus konnte die Menschen nur heilen, weil er das Heil selbst war. Um uns vor der Ursache aller Krankheit zu heilen, musste er sich mit uns gleichsetzen – musste selbst Krankheit tragen. Darum setzte er sich selbst Hass, Erniedrigung, Leid und Tod aus. Er, der es vermochte alle Krankheit zu heilen, hat durch seine Passion aufgezeigt, dass er vollkommen heil war. Nur der vollkommen heile, der Heiland konnte einen Sinn finden in Leid und Tod und dieser Sinn war für ihn unsere Heilung.
24. 2. 2022
Unentschuldbares
Das eigentliche Vergehen des Judas bestand nicht darin, dass er seinen Meister verriet (auch Petrus verleugnete Jesus). Sein wahres Vergehen bestand darin, dass er seine Tat für unentschuldbar hielt und sich deshalb das Leben nahm. Nicht der Fehltritt an sich, sondern die eigene Hoffnungslosigkeit ist es, durch die wir Handlungen vor uns selbst unentschuldbar machen.
18. Juli 2023
Lüge – Ursache des Todes
„Alles, was die Zeit bedroht, sondert Lüge ab, um nicht zu sterben, und zwar je mehr, je größer die Todesgefahr ist. Deshalb gibt es keine Liebe zur Wahrheit ohne vorbehaltlose Bereitschaft zum Tode. Das Kreuz Christi ist die einzige Pforte zur Erkenntnis.“ Simone Weil
5. 8. 2022
Der Fall in die Bedeutungslosigkeit
Das Gute sucht nach der Bedeutung des Bösen – transzendiert es durch Geist und Sinn. Das Böse hingegen sucht das Gute bedeutungslos zu machen. Weder kennt es seine eigene wirkliche Bedeutung noch will es die Bedeutung des Guten wahrhaben.
18. 2. 2022
Vergebung
Erst dort, wo wir (wie Jesus Christus) erkennen, dass uns nichts widerfährt, was nicht in Gott beschlossen ist, werden wir bedingungslos vergeben können.
26. 1. 2022
Universeller Anspruch
Der universelle Anspruch der Botschaft Jesu ist ein individueller, denn er beruht auf der subjektiven Annahme jeder Erscheinung meines Daseins als Notwendigkeit. Nicht durch Widerstand oder Gewalt, sondern im vertrauensvollen Annehmen erfahren die Dinge grundlegende Wandlung.
5. 2. 2022
Göttliche Gnade vs. weltliche Gnadenlosigkeit
Unsere Existenz ist Gnade – alles menschliche Leben ist Gnade – unverdiente Gnade! Der Glaube, sich das Leben durch Erfüllung einer Bedingung oder durch einen Handel erst verdienen zu können oder zu müssen, ist gottlos, perfide und teuflisch. Gnadenlosigkeit und Unmenschlichkeit sind die Folgen dieses Irrglaubens.
17. 11. 2021
Liebe und Hass
Liebe gewinnen wir aus der Gewissheit, dass in allen Geschehnissen, insbesondere in den beschwerlichen und leidvollen, ein verborgener Sinn liegt, der von uns gesucht und gefunden werden will – dieser Sinn ist Gott selbst.: „Suchet so werdet ihr finden, …denn wer da sucht, findet.“ Lukas 11, 9-10
Hass entspringt dem menschlichen Irrtum, dass die Welt gewaltsam, gegen den Willen unseres Mitmenschen verbessert werden könnte. Christus ist gekommen, diesen Irrtum aufzudecken. Dafür war er bereit, selbst zum Objekt des Hasses zu werden. Hass existiert, um als Irrtum erkannt zu werden, wodurch allein er überwunden wird.
4. 11. 2021
Gotteskindschaft
Würden wir uns als Kinder erkennen, so wären wir frei von Schuld, denn Kinder sind nicht strafmündig. In unserer menschlichen Überheblichkeit frei, mündig und verantwortlich zu handeln, werden wir verantwortlich und schuldig: “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…” Matthäus 18, 3
29. September 2021


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