Schlagwort: Glaube

  • Meister Eckhart

    Meister Eckhart

    In meiner tiefsten Einsicht, da ich mich selbst in dir erblickte und dich in mir, da hast du mich geboren, 
    hast mich hervorgebracht als deine eigene Natur. 
    
    Und alles, was mir vormals dunkel war und stumm und namenlos und ungenannt, das sprach dort unverhüllt und rein und pur und ich verstand,
    dass deine Offenbarung mir immer schon vertraut gewesen – dass sie von jeher mir bekannt. 
    
    Und doch erscheint mir allzu niedrig dieser Ort, 
    zu grob und ohne jede Zier,
    dass ich nicht glauben und nicht fassen kann, er sei dein Hort - 
    die Wiege aller Kreatur, die zu erkennen dich vermag – die dich begreifbar macht im Jetzt und Hier. 
    
    In meiner tiefsten Einsicht meiner selbst, 
    bist du in mir geboren und ich in dir
    dort hab ich dich hervorgebracht 
    und du hast mir dein Antlitz offenbar gemacht.  

    Elmar Vogel am 22. April 2019

  • Unsterblichkeit

    Unsterblichkeit

    Die Götter
    denen wir dienen
    sind keine
    Unsterblichen
    ist Sterben eine
    Notwendigkeit
    um Unsterblichkeit
    zu gewinnen
    müssen wir sterben
    um leben zu können
    müssen wir sterben
    können

  • Das überkonfessionelle Blog mit geistigen Impulsen aus der Botschaft Jesu

    Das überkonfessionelle Blog mit geistigen Impulsen aus der Botschaft Jesu

    Die Botschaft Jesu als Weisheitslehre

    Über das Projekt Christophilos

    Was wäre, wenn die Lehre Jesu kein kirchlicher Gesetzeskatalog wäre – sondern eine radikale Weisheitslehre, die sich vernünftig begründen lässt?

    Christophilos liest die Botschaft Jesu überkonfessionell: nicht als dogmatischen Besitz einer Institution, sondern als existenziellen Kern, der Christen, Suchende und Zweifler gleichermaßen angeht. Der einzige Maßstab sind die Worte und der konkrete Weg, den Jesus ging.

    Im Tiefsten ist diese Botschaft eine Erkenntnislehre und eine Lehre der Vernunft: Sie argumentiert, statt zu verordnen. Sie stiftet Versöhnung, weil sie nicht auf menschlicher Willkür beruht. Wäre sie beliebig, ließe sich in ihrem Sinne weder schlüssig denken noch argumentieren. Deshalb bleibt dieser Ansatz konsequent undogmatisch – und offen für jede ehrliche Frage.

    Das ist keine neue Erfindung, sondern die Rückkehr zur ursprünglichen Übung der Philos-Sophia: der leidenschaftlichen Freundschaft zur Weisheit. Wie Paulus undogmatisch schreibt:

    „In Gott liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“ (Kolosser 2,3)

    Geistige Autorität entsteht hier nicht durch Amt oder Tradition. Jesus selbst befreit aus der Knechtschaft und beruft zur Freundschaft:

    „Ich nenne euch nicht mehr Knechte … sondern Freunde habe ich euch genannt.“ (Johannes 15,15)

    Christophilos ist eine unabhängige, private Initiative – frei von institutioneller Vereinnahmung. Es ist der Versuch, die ursprüngliche Radikalität der Botschaft Jesu so freizulegen, dass man ihr im Geiste folgen – oder ihr begründet widersprechen – kann. Denn beides gehört zu einem lebendigen Erkenntnisweg.

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  • Das Gleichnis vom Turmbau

    Das Gleichnis vom Turmbau

    Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, – damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen?    Lukas 14, 28-30

    Ausdruck des Lebens ist das Streben nach „oben“. Im Streben nach oben versuchen wir uns „Freiräume“ zu verschaffen, in denen uns nichts „Niedriges“ mehr berühren kann. Mit dem Gleichnis vom Turmbau, drückt Jesus das menschliche Verlangen nach Erhabenheit aus, den Wunsch, sich über die beschwerlichen und feindlichen Seiten dieses Daseins zu erheben.

    Einen Turm bauen wollen, bedeutet im Sinne des Gleichnisses, die Dinge von einer höheren Warte aus – die Welt mit Distanz betrachten zu wollen. Damit steht der Turm als ein Gleichnis für Erhabenheit, für den Wunsch nach Ruhe, Sicherheit, Unerreichbarkeit und Unberührbarkeit. So ist jeder auf seine eigene Weise bemüht, sich einen Ort zu schaffen, an dem ihm das Leid dieser Welt nichts mehr anhaben kann.

    So symbolisiert der Turmbau unser Streben nach Individualität und Erhabenheit, aber auch nach Entzug und Rückzug. Der Wunsch nach Erhabenheit ist nichts Schlechtes an sich, er wird jedoch auf ganz unterschiedliche Weise umgesetzt: Aus rein menschlicher und vordergründiger Sicht läuft es meist darauf hinaus, sich den Status des „Turmes“ durch Äußerlichkeiten zu verschaffen – beispielsweise durch Familienbande, durch Beziehungen, durch Geld, durch Besitz, durch den gesunden oder den schönen Körper, durch materielle Absicherung, durch persönlichen Erfolg, durch gesellschaftliche Anerkennung, durch Machtausübung, durch Unterdrückung anderer, aber auch durch Drogenkonsum und durch Todessehnsucht.

    Wie auch immer, man möchte unerreichbar und unberührbar sein gegenüber dem Leid der Welt, möchte in „Sicherheit“ leben und über das Unkalkulierbare herrschen.  Im Gleichnis vom Turmbau gibt Jesus zu bedenken, dass alle Versuche, das Unkalkulierbare und Unangenehme abzuwenden, immer unzureichend sein werden, solange sie auf irgendwelche Äußerlichkeiten d. h. solange sie auf Vordergründigem basieren, denn alles Äußerliche – wie es auch heißen mag – unterliegt der Schwächung, dem Verfall, und in allem Hiesigen liegt bereits der Niedergang. Das Unkalkulierbare jedoch ist das Unabwendbare. Es ist Leid, Tod, Niederlage, Schmach, Verrat und Verlust. Diese Dinge nicht in seine Lebensplanung einzukalkulieren, bedeutet, sich zu verkalkulieren.

  • Unzeit – Unort

    Unzeit – Unort

    Unstet zieht uns falsche Zeit an falsche Orte 
    darum ist unser Tun und Lassen falsch. 
    Falsch ist, was zur falschen Zeit am falschen Ort . 
    Die Erkenntnis Jesu schafft rechte Zeiten und rechte Orte. 
    Rechte Zeit - Ewigkeit 
    Wahrer Raum - Unendlichkeit. 
    
    Elmar Vogel Oktober 1993

  • Metapher

    Metapher

    Des Menschen Werk ist wie die Frucht am Baum
    Doch über ihren Rang da herrscht ein alter Streit
    Denn alles was getan aus überzeugtem, tief geglaubtem Sinn
    erfüllt den Raum, die Zeit und führt mich hin
    zu jenem Ort, da ich schon war bevor ich wurde.
    Und doch bleibt alles Tun, an das ich selbst nicht glaube
    und hätte ich‘s auch ausgeführt – das Absurde,
    das nicht an meine Seele rührt – es fällt herab, vergeht im Staube.
    Doch jenes andre Werk, das zeitlos ewig ist kann alle Zeiten überdauern, man wird es pflücken und verkosten, man wird’s den Kindern geben,
    die im Osten auf der kalten Erde kauern.
    Das ist die Frucht, die dieser Zeit Genesung bringt, da sie des Geistes Sehnsucht stillt und jedem der bereit, den dunklen Sinn durchdringt.
    So wird am Ende jede Tat, der es gelang das Schwache aufzurichten,
    den Geist zu heben und das Dunkel dieser Welt zu lichten
    den Täter suchen eben in der Ewigkeit – befreit von allem Streit.

    Elmar Vogel / März 2019

  • Das Unwägbare

    Das Unwägbare

    Ich geh den Weg des Menschensohnes, der beständig an das Unwägbare denkt, um Beständigkeit den Dingen zu verleihen, die von Kindheit an ich liebgewonnen habe und die ich heut schon anerkenne als den hehrsten Teil der Gabe und des Lohnes - für diesen Lohn will ich mich gern kasteien.
    Tod, Versagen, Niedergang und alles Schmachten – jede bittre Lage, die das Menschenherze so sehr kränkt, ich will sie ansehn und betrachten - will sie auf mich nehmen - so,  als hätten ich den Sinn, den alle Bitternisse in sich tragen, bereits verstanden und schon ausgefüllt. Ich möchte gern im tiefsten Herzensgrunde sagen, dass, wenn auch in augenblicklich noch verborgner Weise, jede Regung dieses Daseins dennoch mich beschenkt.

    Elmar Vogel / April 2019

  • Dein helles Wort

    Dein helles Wort

    Ich habe keine Meinung von mir selbst, da ich ja doch noch werde.
    Denn stets wenn ich enttäuscht mich von mir selbst abwende
    und mich erkennen muss als Teil der Herde
    ( jener, der im Grunde meines Herzens ich nie angehören will,)
    dann trag ich Trauer und ein Abgrund tut sich vor mir auf,
    den zu durchschreiten nimmer ich vermag,  in noch so kühnem Lauf.
    Dann sinkt die Seele nieder und ich werde still,
    erschrocken von der Finsternis der Tiefe und der dunklen Erde.

    Wer könnte dieses Dunkel je durchdringen,
    wer könnte Einhalt ihm gebieten und vollbringen,
    dass es zu Geist und Sinn mir wird, woran mir doch so sehr gebricht?
    O dass doch endlich zu mir spricht,
    was stumm und taub mir auf der Seele lastet –
    was blind und töricht durch das Dunkel irrt
    und heillos durch die Zeiten hastet.

    Ach Gott, du sprichst dein Wort
    das diese Welt erhellt ja immer nur im Dunkeln
    – erhellst den Raum im Hier und Dort.
    Was hier gestaltlos ist – was wüst und leer,
    darin seh ich deinen hellen Stern nun funkeln
    – dort geht er vor mir her in aller tiefster Nacht,
    da dringt es zu mir, deines Sohnes Wort:
    Es ist vollbracht.

    Elmar Vogel / Dezember 2018