Opfer und Erlösung

Passion

Indem sie den verfolgten, den sie hassten, 
dabei Gemeinschaft pflegten mit dem Feinde,
und versuchten, ihm Arges anzulasten,
waren sie dadurch Teil seiner Gemeinde.

Durch die Verachtung, die sie diesem zollten,
musste Beachtung finden, was er sagte.
So wurde das, was sie verhindern wollten,
zu einer Antwort auf das Ungefragte.

Und der, den sie gedachten zu bestrafen,
den sie der Willkür preisgegeben haben,
wurde zu ihrem Diener und zum Sklaven,
und sie wurden Empfänger seiner Gaben.

Er, der seine Ohnmacht schmeckte, ohne Wut,
der darin seine höchste Macht erkannte,
dass in seinem Geiste Böses würde gut,
erwies sich uns, als der von Gott gesandte.

Er, dessen Leib am Kreuz gebrochen wurde,
er brach sich selber, um Himmelsbrot zu sein.
Indem wir’s essen, endet das Absurde,
und sein vergoss’nes Blut, wird für uns zu Wein.

Am Kreuz hat er sie dann zu sich gezogen,
nicht nur die Freunde, sondern auch die Feinde
Der Geist, der zu vergeben ihn bewogen,
erschuf dort* die elysische Gemeinde.

* am Kreuz

Dresden am 26. 10. 2025
Letzter Vers am 8.11. 2025


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3 Antworten zu „Passion“

  1. Monika Schulte

    Diskutieren kann man deine Texte nicht, Elmar, man kann sie nur mit Andacht lesen…. _()_
    Nachfolge Christi geht vom „Er, der….“ über zum „Du, der…“ und letztlich zum „Ich, der….“.
    Wenn am Ende die Trennung zwischen dem Menschensohn und dem Vater bzw. Gottessohn in der Gleichförmigkeit des Hl. Geistes aufgehoben ist, ist das geheilte und erlöste Ich mit dem Wahren SELBST im Herzen Jesu Christi vereint. In diesem Sinne verstanden bleibt am Ende nur EINS – ICH.

    1. Liebe Monika,

      vielen Dank für Deinen gehaltvollen Kommentar und auch für Deine Einschätzung. Eine Diskussion meiner Texte muss nicht unbedingt kontrovers sein. Ich stelle mir vor, dass einfach Fragen gestellt werden, woraus ein lebendiger Dialog entstehen kann. Oder ein Text ruft eigene Gedanken, hervor, wie hier in Deinem Fall. Dein Bild vom „Er“ zum „Du“, das letztlich im „Ich“ in dem am Ende alle Trennung endet, mündet, ist ja urchristlich und greift inhaltlich das auf, was ich in diesem Text versucht habe, auszudrücken – bis hin zur äußersten Konsequenz. Es beschreibt den Weg, der alle Dinge eint: So geschieht Gotteserkenntnis nicht anders als im Akt aufrichtiger Selbsterkenntnis. Das heißt, aufrichtig geübte Selbsterkenntnis ist gleichbedeutend mit unserem Erkanntwerden durch Gott und so mit dem unmittelbaren Erkennen Gottes. Gotteserkenntnis im Sinne Jesu meint ja nichts anderes als ein Erkennen der Wahrheit über uns selbst. Denn alle echte Wahrheitserkenntnis ist wechselseitig. Erkennen wir die Wahrheit über uns selbst, so erkennen wir Gott und erkennen uns unmittelbar in Gott. Betrachten wir uns selbst, so wie wir in Wahrheit sind, so betrachtet Gott auch uns. Da ist kein Unterschied – da ist alles eins.

      „Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Mat 5,8

      In diesem Akt des Erkennens, wird uns alles zu Gott, da Gott als Ursache ausnahmslos aller Dinge erkannt wird – auch des Feindes. Denn dort, wo ich Gott auch im Schwachen, Peinlichen, Schicksalhaften, Leidvollen, Ungerechten, Feindlichen und Bösen zu erkennen vermag, hören diese Dinge auf, hinderlich zu sein. Oder wie Meister Eckhart sagte:

      „Wir selbst sind die Ursache aller unserer Hindernisse – hüte dich vor dir selbst und du hast wohl gehütet.“

      Umgekehrt gilt:

      In Gott liegt die Ursache aller unserer Förderung – kehre dich zu Gott und alles wird dir dienen – auch der Feind.

      Herzlichst Elmar

  2. Ursula Ullrich

    Lieber Elmar,
    bin wieder überrascht von deinen einzigartigen Gedanken – treffend – alles Wichtige für uns und unser Verstehen, was Jesus Christus für uns getan hat und welch‘ Sinn sein Tod für uns bedeutet, ist eindeutig und klar mit deinen Worten ausgedrückt.
    Hab Dank!
    Herzlichst Ursula

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