
War Jesus politisch? Nein. Jesus von Nazareth war kein politischer Aktivist. Er war auch kein Sozialreformer. Und er wollte die Welt nicht verbessern.
In den Evangelien steht nirgendwo, dass er zum Widerstand gegen die Obrigkeit aufrief. Er forderte auch nicht, gesellschaftliche Strukturen zu bekämpfen. Oder eine gerechtere Ordnung aufzubauen.
Auf die Fangfrage nach der Steuer antwortete er klar:
„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Matthäus 22,21
Damit zog er eine klare Grenze. Die Systeme dieser Welt sind vergänglich. Das Reich Gottes ist ewig.
Vor Pontius Pilatus sagte er es noch deutlicher:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Johannes 18,36
Die Botschaft gilt dem Einzelnen
Jesus spricht nicht zu Staaten. Er spricht nicht zu Parteien. Und er spricht nicht zu gesellschaftlichen Gremien.
Seine Botschaft richtet sich an das Gewissen des einzelnen Menschen. Erlösung lässt sich nicht verordnen. Barmherzigkeit lässt sich nicht wählen. Vergebung entsteht nicht durch politische Beschlüsse.
Eine gute Tat im Sinne Jesu kommt nicht aus einer Verordnung. Sie entsteht in der persönlichen Begegnung von Mensch zu Mensch. Aus freier Entscheidung, in eine Begegnung einzuwilligen.
Sein zentraler Aufruf lautet Metanoia: Ändert grundlegend euren Sinn. Das bedeutet ehrliche Einsicht in die eigene Unvollkommenheit. Aus dieser Einsicht soll die Bereitschaft resultieren, dem Nächsten ohne Verurteilung Vergebung, Gnade und Barmherzigkeit zu erweisen.
Wenn Kirchen politisch werden
Manche Kirchen treten heute als moralische Erzieher der Gesellschaft auf. Sie kommentieren Gesetze. Sie erteilen politische Weisungen. Und sie maßregeln Mitmenschen.
Damit verfehlen sie die Lehre Jesu im Kern. Sie verwandeln das Evangelium in einen Gesetzeskatalog. Aus der Botschaft Christi wird eine weltliche Ideologie. Und ein Instrument der Anpassung.
Jesus hat weltliche Macht für seine Nachfolger ausdrücklich abgelehnt:
„Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ Matthäus 20,25–26
Der Balken im eigenen Auge
Besonders problematisch wird dieser Erziehungsanspruch vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte. Die Kirche hat über Jahrhunderte Andersdenkende ausgegrenzt und verfolgt. In ihren eigenen Reihen kam es zu schwersten Verfehlungen an Schutzbefohlenen.
Eine Institution mit dieser Vergangenheit verliert den Anspruch auf moralische Vormundschaft über die Gesellschaft. Anstatt über die Politik zu richten, wäre die Kirche im Sinne Jesu aufgerufen, den
„Balken im eigenen Auge“ wahrzunehmen (Matthäus 7,3).
Wahre Autorität im Sinne Christi beruht nicht auf Ämtern oder Titeln. Sie beruht nicht auf politischem Einfluss. Sie beruht auf der ehrlichen Einsicht in die eigene Fehlbarkeit. Und auf der Bereitschaft zur Umkehr.
Zur Vertiefung dieses Themas lesen Sie auch: War Jesus politisch?



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