Das Sinnbild vom Lösegeld

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.“ Markus 10,45 Was „Lösegeld“ ursprünglich bedeutete Lösegeld „antilytron“, war in der Antike der Preis, zu dem ein Sklave freigekauft werden konnte. Im Sinne des Gleichnisses, hat Jesus in seiner Passion den Preis für…

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.“ Markus 10,45

Was „Lösegeld“ ursprünglich bedeutete

Lösegeld „antilytron“, war in der Antike der Preis, zu dem ein Sklave freigekauft werden konnte. Im Sinne des Gleichnisses, hat Jesus in seiner Passion den Preis für die Freiheit des Menschen „bezahlt“.

Kein buchstäblicher Preis für Gott oder Satan

Das Sinnbild vom Lösegeld darf hier also keineswegs im Sinne eines buchstäblichen, monetären oder juristischen Tauschgeschäfts verstanden werden. Es ist nicht so zu verstehen, dass ein zorniger Gott durch das Blut seines Sohnes befriedigt ist. Auch wird hier niemand im juristischen Sinne freigekauft oder dem Sklavenhalter (Gott oder Satan) eine Zahlung geleistet. Gott hält uns nicht in Geiselhaft.

Der Begriff „Lösegeld“ ist vielmehr ein tiefgründiges Gleichnis dafür, dass Jesus der ungeteilten und unabänderlichen Wirklichkeit Tribut gezollt hat. Diese Wirklichkeit ist Gott. Mit anderen Worten: Jesus hat das Erforderliche und Notwendige getan, um uns aus der Knechtschaft der Angst und der Illusion des Getrenntseins von Gott (Leben) zu befreien.

Warum das leibliche Opfer notwendig war

Kein Mensch besaß aus eigener Kraft die geistige Stärke, inmitten von Folter, Hass und Tod den sinnstiftenden Willen des Vaters zu erkennen. Deshalb musste Gott in der Gestalt Jesu diese äußerste Ohnmacht betreten, um uns ein unmissverständliches Zeichen zu geben. Indem Jesus Seine Passion willig annahm und selbst im grausamen Tun Seiner Peiniger den Willen des Vaters erkannte, brachte er das leidvolle Geschehen mit Gott in Berührung. Da Gott das ungeteilte Leben selbst ist, musste dieses scheinbar Gottlose einen radikalen Bedeutungswandel erfahren und im Geist zu etwas Notwendigem und Gutem gewandelt werden.

Das Unabänderliche als Wille Gottes annehmen

Hierin liegt die universelle Grundwahrheit des Opfers Jesu: Dort, wo Gott als die einzige Ursache aller Geschehnisse – auch der ungerechten und leidvollen – verstanden wird, hören diese auf, sinnlos oder umsonst zu geschehen.

Wenn Sinnlosigkeit sich in Geist und Sinn verwandelt

Solange wir das Leid auf Schicksal, Zufall oder die Bosheit unserer Feinde zurückführen, bleiben wir ohnmächtige Opfer der Umstände. Sobald wir jedoch das Unabänderliche – wie Jesus in Gethsemane – vertrauensvoll als den Willen Gottes annehmen, werfen wir es auf ihn zurück. Unser Vertrauen nötigt Gott, sich mit unserem Schmerz zu identifizieren, ihn mit seinem Geist zu erfüllen und das Sinnlose in eine neue, lebendige Schöpfung zu verwandeln.

Nichts kann mehr von der Liebe Gottes trennen

Darauf bezieht sich das Wort des Apostels Paulus: „Dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28). Gott lieben bedeutet hier, ihn als die ungeteilte Ursache aller Wirklichkeit – also auch des Feindes und des erlittenen Leids – anzuerkennen und vertrauensvoll in das Unabänderliche einzuwilligen.

Wer das Leben in dieser Haltung auffasst, den kann nichts mehr von der Liebe Gottes trennen, weil er überall seinem Wirken begegnet und das Böse im Geist ein für alle Mal überwunden ist.

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Römer 8, 38-39


Elmar Wieland Vogel
Elmar Vogel

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