Jesu Botschaft vom geistlichen Widerstand
Heute erleben wir eine massive Vereinnahmung der Person Jesu und seiner Lehre für ganz unterschiedliche – oft gegensätzliche – politische Ziele. Das geschieht in verschiedenen Kirchen und Konfessionen gleichermaßen. Eine detaillierte Aufzählung spare ich mir, denn das Phänomen ist allgemein bekannt. Unbestritten ist: Jesu Lehre stand im Widerstand zu den Vorstellungen der Machthaber. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Jesus war kein Weltverbesserer
Nirgends in den Evangelien fordert Jesus zu aktivem politischem Widerstand gegen die Machthaber oder zu einem Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten auf. Er gehörte nicht den Zeloten an, die einen bewaffneten Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht organisierten. Seine Botschaft war auch keine Anleitung zur Schaffung einer sozial gerechteren Gesellschaftsordnung. Was Jesus verkündete und selbst lebte, war von vollkommen anderer Art, wie es bei näherer Betrachtung seiner Aussagen deutlich wird.
Die Frage nach der Steuer
Die gängige Interpretation
Eine weitverbreitete Lesart sieht in Jesu Antwort auf die Fangfrage seiner Gegner – „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?“ – eine politische Positionierung. Dabei besteht ein weitverbreitetes Missverständnis darin, dass Jesus mit seiner Antwort „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Mt 22,21) das Erbringen einer Christenpflicht gegenüber dem Staat gemeint habe. Wäre dies der Fall, so hätte er die Frage ohne Umschweife mit einem „Ja“ beantworten können. Das hat er aber nicht getan.
Jesu Antwort im Detail
Jesu unmittelbare Reaktion auf die Frage der Pharisäer ist allerdings eine Gegenfrage seinerseits: „Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?“ Nachdem er verdeutlicht hatte, wie er die Frage seiner Gegner einordnete, lässt er sich eine Steuermünze zeigen und fragt, wer darauf abgebildet sei. Auf die Erklärung, dass es der Kopf des Kaisers ist, antwortet Jesus, dass dem Kaiser zu geben sei, was er als das Seine gekennzeichnet habe und beanspruche – dass man jedoch Gott geben soll, was dieser beanspruche.
Die ausbleibende Nachfrage der Pharisäer
Was aber beansprucht Gott denn als das Seine? Diese Frage hätte von den Pharisäern eigentlich unmittelbar folgen müssen, wenn es ihnen tatsächlich um die Sache Gottes gegangen wäre, wie sie nach außen hin vorgaben. Doch sie ließen Jesus stehen und gingen, da ihr Plan gescheitert war, Jesus als Rebell gegen Rom denunzieren zu können.
Die Unvereinbarkeit zweier Prinzipien
Jesus lehrt in seinen Worten eine klare Trennung und Unterscheidung zwischen zwei grundlegend verschiedenen Bereichen des Lebens: dem äußeren, zeitlichen und vergänglichen einerseits und dem inneren, ideellen und ewigen andererseits. Diese beiden Prinzipien sind unvereinbar – man kann nicht gleichzeitig beiden voll dienen.
Gott und Mammon – die unmögliche Doppelherrschaft
Jesus bringt dies auf den Punkt:
„Kein Knecht kann zwei Herren gleichzeitig dienen: Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Lk 16,13)
Äußere, politische oder materielle Interessen stehen im direkten Widerspruch zu inneren, geistigen und ideellen Werten. Wer versucht, beide gleichermaßen zu bedienen, scheitert letztlich an beiden.
Die richtige Priorität: Zuerst das Reich Gottes
In verschiedenen Gleichnissen und Aussagen betont Jesus immer wieder, dass dem Geistigen absolute Priorität zukommt. Wer das Geistige vernachlässigt, verliert am Ende beides – die zeitliche Existenz und die ewige Bestimmung. Wer hingegen das Geistige in den Vordergrund stellt, dem fällt alles äußerlich Notwendige von selbst zu.
„Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch Solches alles zufallen. Darum sorgt nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Mt 6,31–34)
Schätze auf Erden oder im Himmel?
Die Konsequenz dieser Priorität zeigt sich besonders deutlich in der Frage, wo wir unsere „Schätze“ sammeln:
„Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie zerfressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zerfressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (Mt 6,19–21)
Wer sein Herz an vergängliche, äußere Werte hängt, wird in der Begrenztheit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens untergehen. Nur die Sammlung geistiger, zeitloser, ewiger Werte verleiht dem Leben Inhalt – ist Erfüllung.
Der Preis der Nachfolge: Leben verlieren, um es zu gewinnen
Die radikale Konsequenz dieser Lehre formuliert Jesus in der Aufforderung zur Nachfolge:
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erhalten. Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden nimmt an seiner Seele? Oder was kann der Mensch als Lösegeld für seine Seele geben?“ (Mk 8,34–37)
Jesus stellt hier eine klare Entscheidung: Wer am vergänglichen Leben festhalten will, verliert das wahre, ewige Leben. Nur wer bereit ist, das Äußere loszulassen, gewinnt alles.
Fazit: Die Botschaft ist eindeutig:
Die Orientierung am Zeitlichen und Vergänglichen, wozu auch das Politische zählt steht in unüberbrückbarem Gegensatz zur Orientierung am Geistigen und Ewigen. Wer jedoch das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit an die erste Stelle setzt, dem wird alles andere von selbst zufallen.
Jesus und die Tempelreinigung
Eine weitere häufige Fehlinterpretation unterstellt Jesus politische oder revolutionäre Absichten und bezieht sich dabei auf sein vehementes Auftreten im Tempel, das von allen vier Evangelien überliefert wird. Es lohnt sich, die jeweiligen Schilderungen genau zu vergleichen.
Die vier Berichte
„Und Jesus ging in den Tempel und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenverkäufer stieß er um, und er sagt zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus soll Haus des Gebets heißen, ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle.“ Matthäus 21,12–13
„Und sie kommen nach Jerusalem. Und als er in den Tempel hineinging, begann er, alle hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften. Die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenverkäufer stieß er um und ließ nicht zu, dass man irgendetwas über den Tempelplatz trug. Und er lehrte sie und sprach: Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll Haus des Gebets heißen für alle Völker? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht!“ Markus 11,15–17
„Und er ging in den Tempel und begann, die Händler hinauszutreiben, und sagte zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“ Lukas 19,45–46
„Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern, schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zur Markthalle!“ Johannes 2,13–16
Die eigentliche Bedeutung der Tempelreinigung
Bei der Tempelreinigung ging es Jesus nicht um die Anprangerung sozialer Missstände oder um eine Kritik am Handel an sich, sondern um einen grundlegenden geistlichen Irrtum: die Vorstellung, man könne Gott durch Opfer oder Zahlungen zu einer Gegenleistung verpflichten. Gott ist kein Händler, mit dem man einen „Deal“ abschließen könnte. Dieser Irrtum verwandelt das Haus Gottes in ein Kaufhaus (so Johannes: „macht nicht meines Vaters Haus zur Markthalle!“) oder in eine Räuberhöhle (so die Synoptiker: „ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle“).
Die Räuberhöhle-Metapher verdeutlicht besonders scharf, dass wohlhabendere Menschen glaubten, durch teure Opfer Gott etwas „abzwingen“ zu können. Eine solche Haltung verkehrt das Verhältnis zu Gott in sein Gegenteil: Statt alles als Gnadengeschenk zu erbitten, versucht man, es sich zu erkaufen. Jesus betont stattdessen das Gebet als einzige angemessene Haltung: „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein.“
Geistige statt äußerliche Werte
Der Sinn der Handlung Jesu erschließt sich ausschließlich aus seinen eigenen Worten und dem Kontext des Tempels. Es geht ihm um die unzulässige Vermischung von innerem (geistlichem) und äußerem (materiellem) Bereich. Geistige Werte lassen sich nicht durch äußere Gaben erwerben oder erzwingen. Die beiden Sphären – Gott und Mammon – sind unvereinbar:
- „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Matthäus 6,24
- „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Markus 12,17
Jesus richtet sich eben nicht gegen Wucher, Profitstreben oder den Handel auf einem Markt, sondern gegen die Vorstellung, Gott im Tempel wie einen Geschäftspartner zu behandeln. Die Intention entscheidet über die Qualität einer Handlung. Eine fromme Tat mit falscher Motivation (dem Wunsch, Gott zu „kaufen“) wird zur verderblichen Handlung. In diesem Zusammenhang erinnert die Szene unwillkürlich an den Ablasshandel des Mittelalters, gegen den Martin Luther 1517 antrat.
Auch hier ging es nicht primär um moralisches Fehlverhalten, sondern um einen grundlegenden theologischen Irrtum über das Wesen der Gnade Gottes. Jesus war kein Moralapostel, der äußeres Verhalten regulieren wollte, sondern er richtete den Blick stets auf den Geist, in dem eine Handlung geschieht. Die Tempelreinigung ist daher ein leidenschaftlicher Protest gegen jeden Versuch, die Beziehung zu Gott zu kommerzialisieren.
Verhalten gegenüber Unrecht und Gewalt
Eine weitere häufige Fehlinterpretation der Lehre Jesu betrifft seine Haltung gegenüber Unrecht und Gewalt. Manche behaupten, aus christlicher Sicht sei es erlaubt oder sogar geboten, in Notwehr zu handeln und erfahrener Gewalt mit Gewalt zu begegnen. Jesus lehrte jedoch unmissverständlich das Gegenteil:
„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ›Auge um Auge, Zahn um Zahn.‹ Ich aber sage euch, dass ihr dem Bösen nicht widerstreben sollt, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ Matthäus 5,38–42
Jesus bleibt nicht bei einer bloßen Weisung stehen, die er von anderen fordert, ohne sie selbst zu leben. Als er selbst zu Unrecht angeklagt, gefesselt, ausgeliefert, verurteilt und hingerichtet wird, erhebt er keinen Einspruch. Im Verhör vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus erklärt er ausdrücklich, dass seine Anhänger nicht um ihn kämpfen werden, da sein Reich nicht von dieser Welt sei (vgl. Johannes 18,36).
Jesus setzt damit kompromisslos und konsequent um, was er zuvor gelehrt hat.
Das Schwert – Sinnbild des notwendigen Übels
Manche Christen wenden ein, Jesus habe seinen Jüngern kurz vor seiner Verhaftung doch aufgetragen, ein Schwert mitzunehmen – daraus könne man schließen, dass Selbstverteidigung und Notwehr gerechtfertigt seien. Betrachtet man jedoch den Kontext, lässt sich diese Deutung nicht halten:
„Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muss auch das noch vollendet werden an mir, was geschrieben steht: ›Er ist unter die Übeltäter gerechnet worden.‹ Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.“ Lukas 22,35–38
Aus dem Zusammenhang wird klar, dass Jesus dem Schwert eine negative Bedeutung zuschreibt: Das Mitführen eines Schwertes dient als Kennzeichen eines Übeltäters. Jesus sagt im Wesentlichen: „Nun wird man mich wie einen Übeltäter behandeln – und dafür soll der Schein gewahrt werden.“ Wenige Augenblicke später unterstreicht er diese negative Sicht erneut, als Petrus ihn mit dem Schwert verteidigen will:
„Da sagte Jesus zu ihm: Steck dein Schwert wieder dahin, wohin es gehört! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden auch durch das Schwert umkommen!“ Matthäus 26,52
Das Schwert als Sinnbild der Teilung und Trennung
In einem anderen Zusammenhang verwendet Jesus das Schwert als Metapher für die Trennung und Spaltung, die seine Botschaft unvermeidlich unter den Menschen auslöst:
„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“ Matthäus 10, 34–36
Die „Zwei-Schwerter-Lehre“
Einige Kleriker beziehen sich bis heute auf die zwei Schwerter, die die Jünger bei der Verhaftung Jesu mitführten, und sehen darin eine Grundlage für die mittelalterliche Zwei-Schwerter-Lehre (formuliert u. a. im 5. Jahrhundert und später ausgebaut). Diese Lehre deutet die beiden Schwerter positiv: Das geistliche Schwert stehe für die Kirche, das weltliche Schwert für die staatliche Obrigkeit, das der Papst dem Kaiser zur Ausübung übergebe. Diese Interpretation übersieht jedoch zweierlei:
- Die ursprünglich negative Bedeutung des Schwertes im Kontext Jesu: Es dient als Kennzeichen des Übeltäters und als Symbol der Trennung.
- Die klare Aussage Jesu, dass alle, die zum Schwert greifen, durch das Schwert umkommen werden. Damit würde die Zwei-Schwerter-Lehre letztlich besagen, dass sowohl kirchliche als auch weltliche Obrigkeiten ihren eigenen Untergang heraufbeschwören.
Jesu Kritik an den Herrschenden
Dass Jesus die Handlungsweise der Machthaber und Herrscher dieser Welt missbilligte, ist unbestritten. Aus dieser Kritik lässt sich jedoch kein Aufruf zu politischem Handeln oder gar zu einem gewaltsamen Eingreifen ableiten. Ein zentraler Beleg dafür findet sich im Matthäusevangelium:
„In jener Zeit rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ Mt 20,25–28:
Jesus zieht das Verhalten der weltlichen Mächtigen hier bewusst als Negativbeispiel heran. Seine Botschaft lautet:
- Nehmt zur Kenntnis, wie die Herrscher ihre Macht zur Unterdrückung missbrauchen.
- Bei euch soll es genau umgekehrt sein.
Wo immer ihr Einfluss auf andere habt, sollt ihr diesen nicht zur eigenen Erhöhung, sondern zum Dienst am Nächsten nutzen. Dieser Dienst zielt letztlich darauf ab, dem Mitmenschen zu seiner wahren geistigen Größe in Gott zu verhelfen. Jesus selbst lebt dieses Prinzip vor: Als Herr macht er sich zum Diener und gibt sein Leben hin, damit die Menschen zu Gott finden. Ebenso sollen seine Jünger zu Dienern werden – und gerade dadurch wahre Größe vor Gott erlangen.
Das Paradoxon: Herrschen durch Dienen
Dieses scheinbare Paradoxon – Größe durch Erniedrigung, Herrschaft durch Dienst – findet seinen stärksten symbolischen Ausdruck in der Kreuzigung Jesu. Der sich bis zum Äußersten erniedrigen lässt, wird gerade am Kreuz erhöht. Jesus deutet dies im Johannesevangelium selbst an:
„Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts von mir selber tue, sondern wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.“ Johannes 8,28
Die Erhöhung am Kreuz ist somit nicht nur Leid, sondern Offenbarung: Sie zeigt, dass wahre Herrschaft im Reich Gottes durch radikalen Dienst und Hingabe geschieht – keinesfalls durch Machtausübung nach weltlichem Muster.























































